Altersvorsorge: Tun Wohlhabendere genug für sich?

14.2.2020 – Österreicher, die im nächsten Jahr mindestens 10.000 Euro veranlagen wollen, geben mehr als ein Fünftel ihres Jahreseinkommens für Altersvorsorge aus. Fast jeder Fünfte von ihnen glaubt, dass das zu wenig ist. Und die überwiegende Mehrheit ist sich sicher, dass man sie davon überzeugen könnte, mehr für den Ruhestand zu sparen. Für unrealistisch hält Schroders die Vorstellungen, wie viel vom Ersparten man verbrauchen darf, um bis ans Lebensende auszukommen.

Das Marktforschungsunternehmen Research Plus Ltd. hat für die international tätige Londoner Vermögensverwaltungsgesellschaft Schroders Plc in einer Online-Umfrage die finanziellen Erwartungen von Anlegern für den Ruhestand erhoben.

Befragt wurden mehr als 25.000 Personen in 32 Ländern, darunter auch Österreich, die in den nächsten zwölf Monaten zumindest (umgerechnet) 10.000 Euro investieren wollen und in den vergangenen zehn Jahren Änderungen an ihren Anlagen vorgenommen haben.

Wie viel fürs Alter zurückgelegt wird

Durchschnittlich würden Berufstätige aus dieser Gruppe 15,3 Prozent ihres Jahreseinkommens für den Ruhestand zurücklegen, so die weltweiten Ergebnisse. Hier liegt Österreich – einschließlich der Beträge, die Arbeitgeber aufwenden – mit 21,6 Prozent an erster Stelle.

28,9 Prozent ihres Einkommens legen in Österreich jene für die Pension zurück, die sich selbst als erfahrene oder fortgeschrittene Anleger bezeichnen, so Schroders. Anfänger oder Personen mit rudimentären Kenntnissen kommen dagegen nur auf 14,9 Prozent.

Relativ gering ausgeprägt ist die Risikobereitschaft, wie die Studie zeigt. In Österreich sind nur 13 Prozent der Befragten bereit, für ihre Altersvorsorge höhere Risiken einzugehen als mit ihren sonstigen Ersparnissen; im Durchschnitt aller Länder sind dies 24 Prozent.

Auch eine Frage des Alters

Jüngere sparen mehr für die Pension (Grafik: Schroders)
Jüngere sparen mehr für die Pension. Zum
Vergrößern Grafik anklicken (Bild: Schroders).

Deutliche Unterschiede zeigen sich in Bezug auf das Alter der Befragten. Während „Millennials“ (18- bis 37-Jährige) – wieder einschließlich der Arbeitgeberbeiträge – 25,7 Prozent ihres Einkommens für das Alter sparen, sind es bei den 38- bis 50-Jährigen 20,2 Prozent und den 51- bis 70-Jährigen nur noch 12,1 Prozent.

Jüngere Menschen dürften sich zunehmend bewusst werden, dass sie aufgrund der demografischen Entwicklung niedrigere staatliche Renten erhalten werden und Ersparnisse wegen der steigenden Lebenserwartung länger ausreichen müssen, kommentiert Schroders diese Ergebnisse.

Jüngere sind auch eher der Meinung, dass sie noch mehr für den Ruhestand sparen könnten, als sie das derzeit tun. 97 Prozent der Millennials sind dieser Meinung, 86 Prozent der 38- bis 50-Jährigen, aber nur noch 66 Prozent der 51- bis 70-Jährigen.

Genug gespart?

Nicht ausreichend für den Ruhestand gespart (Grafik: Schroders)
Nicht ausreichend für den Ruhestand gespart.
Zum Vergrößern Grafik anklicken
(Bild: Schroders).

In Österreich glauben 22 Prozent der berufstätigen Anleger, nicht ausreichend für ihren Ruhestand zu sparen. Sie zeigen sich damit optimistischer als Menschen in anderen Ländern – der Durchschnitt über alle 32 Länder liegt bei 24, in Europa bei 25 Prozent.

Unter den Pensionisten liegt Österreich bei dieser Frage überhaupt auf Platz eins: 96 Prozent der bereits in Pension befindlichen heimischen Anleger sind überzeugt, für den Lebensabend ausreichend Mittel gespart zu haben – weltweit sind es nur 80 Prozent.

Am meisten besorgt sind Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen. 34 Prozent der noch berufstätigen sogenannten „Babyboomer“ (derzeit zwischen 51 und 70 Jahre alt) glauben oder wissen, dass ihre Mittel nicht für das ganze Leben ausreichen werden (Länderzahlen liegen nicht vor).

Immerhin acht Prozent sind sich bereits sicher, dass ihre Ersparnisse nicht genügen werden. Auch vier Prozent der 38- bis 50-Jährigen sowie drei Prozent der 18- bis 37-Jährigen sind fest davon überzeugt, im Alter nicht über ausreichende Mittel verfügen zu werden.

Mehr Sparen wäre möglich

Mehr Sparen für viele möglich (Grafik: Schroders)
Mehr Sparen für viele möglich.
Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: Schroders).

70 Prozent der in Österreich befragten Ruheständler glauben, dass es möglich gewesen wäre, sie davon zu überzeugen, mehr für das Alter auf die Seite zu legen. Damit liegt unser Land ziemlich genau im weltweiten Schnitt von 71 Prozent.

Unter den Berufstätigen sind es weltweit sogar 94 Prozent (Zahlen für einzelne Länder liegen dazu nicht vor), die sich überzeugen lassen könnten, mehr für den Ruhestand zu sparen.

Informationen, die ihnen Aufschluss darüber geben, wie viel sie im Ruhestand für ihren gewünschten Lebensstandard benötigen, könnten dazu beitragen, sagen 34 Prozent der Berufstätigen und 28 Prozent der Pensionisten (in allen untersuchten Ländern).

Daneben würden auch mehr Informationen über die voraussichtliche Höhe der Lebenshaltungskosten im Ruhestand, eine Veranschaulichung, wie ihr Leben im Ruhestand aussehen könnte, Anreize und Vorschläge von Investmentdienstleistern oder Informationen über die Lebenserwartung dazu beitragen.

Wie viel vom Vermögen verbraucht werden darf

Durchschnittlich rund 10,5 Prozent ihrer Ersparnisse können sie jedes Jahr im Ruhestand abheben, ohne dass ihnen das Geld noch vor ihrem Tod ausgeht – das glauben die befragten Österreicher. Damit liegen sie ziemlich genau im Schnitt der abgefragten Länder (10,3 Prozent).

Fast ein Drittel glaubt sogar, jährlich zwischen 15 und 20 Prozent verbrauchen zu können, nur jeder siebente ist der Meinung, es dürften nur höchstens fünf Prozent des Vermögens sein.

Für Schroders sind diese Werte „hoch“ und „unrealistisch“. Sie würden darauf hindeuten, dass die Menschen entweder ihre verbleibende Lebenszeit oder die Renditen, die für so hohe Beträge nötig wären, falsch einschätzen. Möglich wäre es aber auch, dass die Befragten über weitere Vermögens- oder Einnahmequellen verfügen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Marktforschung · Pension  · Senioren
 
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
19.3.2019 – Viele Wahlmöglichkeiten und Optionen können „überwältigend“ sein, müssen aber nicht, meinen Experten – eine Diskussion über die Gestaltung von Vorsorgelösungen, über das „wirklich Wesentliche“ und darüber, was nach der Ansparphase kommt. (Bild: VersicherungsJournal) mehr ...
 
15.9.2017 – Grundsätzlich herrscht unter den Österreichern laut einer Umfrage eine positive Stimmung, was die finanzielle Lage – auch die Altersvorsorge – angeht. Allerdings bleibt die Zufriedenheit mit der finanziellen Sicherheit und Vorsorge hinter der Wichtigkeit zurück, die ihr viele Befragte eigentlich zuschreiben. mehr ...