Beratung soll um einen neuen Aspekt erweitert werden

8.1.2019 – Umwelt, Soziales, Unternehmensführung: Diese Aspekte sollen nach dem Willen der EU-Kommission künftig auch in der Beratung im Versicherungsvertrieb mehr Gewicht bekommen. Sie hat nun einen Entwurf für eine entsprechende Verordnung bekanntgegeben.

Europas Wirtschaft soll grüner werden, Nachhaltigkeit eine größere Rolle spielen. Dieser Gedanke liegt dem „Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen“ zugrunde, den die Europäische Kommission bereits im März 2018 vorgestellt hat (VersicherungsJournal 12.3.2018).

Ausgangspunkte dieses Vorhabens sind insbesondere das Pariser Klimaschutz-Abkommen von 2015 und die Nachhaltigkeitsziele, die die Vereinten Nationen für den Zeitraum bis 2030 formuliert haben.

Nun hat die EU-Kommission Entwürfe für zwei Rechtsakte vorgestellt, die das Thema Nachhaltigkeit im Finanzsektor rechtlich verankern sollen. Der eine betrifft Wertpapierfirmen, der andere die Versicherungsbranche.

„Nachhaltigkeit“ soll in Beratung und Produktempfehlung einfließen

Bei Letzterem handelt es sich, „technisch“ gesehen, um eine Änderung der Verordnung (EU) 2017/2359 – das ist die seit Oktober geltende delegierte Verordnung über Informationspflichten und Wohlverhaltensregeln beim Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten; die Kommission hat sie auf Basis der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) erlassen.

Dieser insgesamt kurz gehaltene Entwurf umfasst zwei Artikel, die auf eine A4-Seite passen. Während der zweite lediglich Bestimmungen zum Inkrafttreten enthält, regelt der erste alle inhaltlichen Punkte.

Diesem zufolge müsste der Vertreiber – sei es ein Versicherungsunternehmen oder ein Versicherungsvermittler – den Kunden künftig nicht nur nach Anlagezielen, Risikobereitschaft usw. fragen, sondern auch nach dessen Präferenzen in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte.

Diese wären dann entsprechend bei der Wahl des angebotenen Produkts und der Eignungsprüfung sowie in der Geeignetheitserklärung zu berücksichtigen.

Das weitere Verfahren

Damit aus dem Verordnungsvorschlag ein verbindlicher Rechtsakt werden kann, bedarf es zweierlei: Zum einen müssen noch andere Bestimmungen im Bereich Nachhaltigkeit auf Schiene gebracht werden. Zum anderen dürfen EU-Ministerrat und EU-Parlament den finalen Text nicht beeinspruchen, ansonsten käme die delegierte Verordnung nicht zustande.

Jedenfalls würde es bis zur Anwendung der geplanten neuen Regeln noch eine Weile dauern – nicht nur weil das Gesetzgebungsverfahren Zeit in Anspruch nimmt, sondern auch weil eine mehrmonatige Frist vorgesehen ist, nach der sie erst schlagend werden sollen.

Dass der Entwurf bereits jetzt veröffentlicht wurde, solle gewährleisten, dass sich die betroffenen Unternehmen schon jetzt darauf vorbereiten können, Nachhaltigkeitsaspekte in die Beratung aufzunehmen, heißt es von der Kommission.

Zum Herunterladen

Der (auf Englisch vorliegende) Entwurf vom 4. Jänner für eine delegierte Verordnung zur Anpassung der „Regulation (EU) 2017/2359 as regards the integration of Environmental, Social and Governance (ESG) considerations and preferences into the investment advice for insurance-based investment products“ kann von der Website der EU-Kommission heruntergeladen werden.

Der parallel dazu veröffentlichte Entwurf für den Bereich der Kapitalmarkt-Richtlinie (Mifid 2) ist ebenfalls auf einer Webseite der Kommission abrufbar.

Schlagwörter zu diesem Artikel
IDD · MiFID · Nachhaltigkeit · Vermittlerrichtlinie · Versicherungsvermittler · Versicherungsvertrieb
 
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