„Deutliche Strukturveränderungen am Arbeitsmarkt“

13.3.2026 – Zuletzt waren um ein Fünftel mehr Menschen in Österreich erwerbstätig als vor 20 Jahren, der Schwerpunkt hat sich weiter zu den Dienstleistungen hin verschoben. Der Anteil des Finanz- und Versicherungssektors ging in den vergangenen Jahren allerdings zurück. Das Arbeitsvolumen ist trotz der kräftigen Zunahme an Erwerbspersonen nur wenig gestiegen.

Büroraum (Bild: Getty Images/Unsplash)
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Die Anzahl der Erwerbstätigen in Österreich ist in den vergangenen 20 Jahren, also im Vergleich zu 2005, um 752.600 Personen oder 20,1 Prozent gestiegen. 2025 waren es im Jahresschnitt 4,500 Millionen Menschen. Dies teilte die Statistik Austria am Donnerstag mit.

Die Zunahme an Erwerbstätigen habe damit das Bevölkerungswachstum deutlich übertroffen. Dieses belief sich im selben Zeitraum auf lediglich 11,5 Prozent.

Mehr Frauen, Ältere und Ausländer im Erwerb

Die Statistik Austria identifiziert drei Gruppen, die den Zuwachs bei den Erwerbstätigen besonders geprägt haben:

  • Frauen: Ihre Erwerbstätigenquote lag 2025 mit 71,0 Prozent um 9,9 Punkte höher als 2005. Die Erwerbstätigenquote der Männer stieg um 3,9 Punkte auf 77,7 Prozent.
  • Ältere: Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen hat sich von 29,9 Prozent 2005 auf 60,9 Prozent 2025 mehr als verdoppelt. Gründe: die demografische Entwicklung, Gesetzesänderungen beim Pensionsantrittsalter, strengere Regelungen zu vorzeitigen Pensionen.
  • Ausländer: Ihr Anteil an allen Erwerbstätigen ist von 9,5 Prozent auf 21,2 Prozent gestiegen, von 355.300 auf 953.800 Personen. Die Erwerbstätigenquote legte sowohl bei Nicht-Österreichern als auch Österreichern um je rund 8 Punkte zu (auf 68,3 bzw. 76,2 Prozent).

Strukturelle Verlagerung hin zu Dienstleistungen

Schon seit langem verlagere sich die österreichische Wirtschaft zunehmend hin zu Dienstleistungen, in denen die meisten neuen Jobs entstehen: 2005 haben 67,2 Prozent der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor gearbeitet, 2025 bereits 73,1 Prozent.

Besonders stark gewachsen seien die Beschäftigungsanteile im Gesundheits- und Sozialwesen (von 9,7 Prozent 2010 auf 11,4 Prozent 2025), in der Bildung, bei freiberuflichen Tätigkeiten sowie in IT und Kommunikation.

Den größten Anteil hat nach wie vor der Handel, hier ging der Anteil aber von 15,2 Prozent 2010 auf zuletzt 13,6 Prozent zurück. Der Sektor Finanz- und Versicherungsdienstleistungen steuerte 2025 einen Anteil von 3,2 Prozent bei – auch das ist weniger als 2010 (3,6 Prozent).

Anteile der Beschäftigten in ausgewählten Dienstleistungsbranchen 2010 und 2025 (Grafik: Statistik Austria)
Anteile der Beschäftigten in ausgewählten Dienstleistungsbranchen 2010 und 2025. Zum Vergrößern Frafik anklicken (Grafik: Statistik Austria).

Industrie und Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft rückläufig

In der Industrie stieg demgegenüber zwar die Produktivität, die Beschäftigung aber nur langsam, berichtet die Statistik Austria. So sei der Anteil der Erwerbstätigen in Industrie und Gewerbe von 27,6 Prozent 2005 auf 24,1 Prozent 2025 gesunken.

Ebenfalls deutlich geschrumpft sei der Beschäftigtenanteil in der Land- und Forstwirtschaft, von 5,3 Prozent 2005 auf 2,8 Prozent 2025.

Deutlich mehr Erwerbstätige, wenig mehr Arbeitsvolumen

Obwohl 2025 um ein Fünftel mehr Personen erwerbstätig waren als 2005, habe sich das Arbeitsvolumen kaum verändert. Die Summe der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden nahm um nur 2,1 Prozent auf 6,89 Milliarden Stunden im Jahr 2025 zu.

Für den nur geringfügigen Anstieg sieht die Statistik Austria zwei Ursachen:

  • Mehr Teilzeitarbeit. 49,8 Prozent aller erwerbstätigen Frauen arbeitete 2025 in Teilzeit (2005: 39,5 Prozent). Bei Männern hat sich die Teilzeitquote auf 14 Prozent mehr als verdoppelt. „Diese Entwicklung beruht auf einem Zusammenspiel von starkem Anstieg der Erwerbstätigkeit von Frauen, Recht auf Elternteilzeit (seit 2004), begrenzten Kinderbetreuungsangeboten, veränderten Präferenzen und generell der Entwicklung hin zu teilzeitintensiven Branchen.“
  • Ein markanter Rückgang von Über- und Mehrstunden: 2005 waren es über 354 Millionen Stunden, rund 170 Millionen 2025. Bei den Männern sei der Rückgang „massiv“ gewesen, bei den Frauen moderater.

Geleistete Wochenarbeitszeit um 5,3 auf 29,4 Stunden gesunken

„In der Folge sank die durchschnittliche tatsächlich geleistete Wochenarbeitszeit seit 2005 um 5,3 Stunden auf 29,4 Stunden“, stellt die Statistik Austria weiter fest.

Mittelfristig sei derzeit auch kein deutlicher Anstieg des Arbeitsvolumens aufgrund individueller Arbeitszeitpräferenzen zu erwarten.

Denn: 2025 gaben rund 80 Prozent aller Erwerbstätigen an, ihre Normalarbeitszeit unverändert lassen zu wollen. 14,5 Prozent wollten gerne weniger arbeiten, selbst bei finanziellen Einbußen. Nur 6,7 Prozent wünschten sich mehr Arbeitsstunden.

Arbeitsvolumen 2005 und 2025 (Quelle: Statistik Austria)
Arbeitsvolumen 2005 und 2025. Zum Vergrößern Tabelle anklicken (Quelle: Statistik Austria).

Langfrist-Prognose: weniger Erwerbspersonen

Langfristig, bis zum Jahr 2080 prognostiziert, geht die Anzahl der Erwerbspersonen zurück, „denn Österreich altert – und das spürbar“, fügt die Statistik Austria hinzu. Laut Erwerbspersonenprognose werde die Anzahl der Erwerbspersonen bereits bis 2040 sinken.

Die Folge sei, dass aufgrund einer geringeren Anzahl von Arbeitskräften trotz steigender Nachfrage weniger Arbeitsstunden geleistet werden. Daten dazu waren bereits im Herbst 2025 vorgestellt worden (VJ 13.11.2025).

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Gesundheitsreform · Pension
 
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