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Kann man betriebliche Altersvorsorge „sexy“ machen?

27.4.2026 – Ein Seminartag beschäftigte sich in der Vorwoche mit aktuellen Themen der betrieblichen Altersvorsorge. Sie sei komplex und es gebe kaum Interesse insbesondere junger Menschen, so die Teilnehmer. Zielgruppe für Berater bleiben die Arbeitgeber.

Podiumsdiskussion zur Zukunft der betrieblichen Altersvorsorge (Bid: VJ)
Diskutierten über die Zukunft der betrieblichen Altersvorsorge (v.l.n.r.): Moderatorin Brigitta Schwarzer (Inara), Daliana Ilies (GenerationenDialog), Erwin Mollnhuber (Zurich), Iris Brachmaier (Uniqa) und Petra Wallner (Ergo). Bild: VJ

Eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion beschäftigte sich bei einem von Inara-Geschäftsführerin Brigitta Schwarzer und dem Risikomanagementexperten Helmut Tenschert organisierten Seminartag in der Vorwoche mit der Zukunft der betrieblichen Altersvorsorge (bAV).

Unübersichtlich und komplex sei die betriebliche Altersvorsorge, sagt Daliana Ilies, Team Member des Vereins „GenerationenDialog – Jugend trifft Erfahrung“, und es gebe im Bildungssystem zu wenige Erklärungen. Wenn sich Menschen nicht auskennen, würden auch „tolle Produkte“ nichts nützen.

Erwin Mollnhuber, Vorstandsmitglied der Zürich Versicherungs-AG, gesteht zu, dass es „viel Erklärungsbedarf“ gebe. Und Iris Brachmaier, Group Chief People Officer der Uniqa Insurance Group, rät, die Perspektive zu wechseln, die Kundensicht zu leben und die Lebensrealitäten zu beachten.

Zur Komplexität der Bedingungen betont Mollnhuber, es gebe zwar Info-Blätter, aber „die liest keiner“. Versicherer würden gute und komplexe Produkte entwickeln, doch stehe der Kunde oft nicht im Mittelpunkt. Daher brauche es Versicherungsmakler als Übersetzer in die Sprache des Kunden

Ein erster Schritt in die richtige Richtung

Knapp eine Million unselbständig Erwerbstätiger seien in Österreich von Vorsorgemodellen erfasst, so Moderatorin Schwarzer, die große Mehrheit verfüge über kein Vorsorgemodell. Sie stellt die Frage, ob der Generalpensionskassenvertrag die bAV aus dem Dornröschenschlaf wecken wird können.

Die zweite Säule sei ein gesellschaftspolitisches Thema, so Brachmaier. Im Umgang mit Finanzen herrsche in Österreich eine „Vollkaskomentalität“, man müsse deshalb bei Bewusstsein und Bildung anfangen und den Menschen erklären, dass es sich bei der bAV nicht um Risikoprodukte handelt.

Nach wie vor würden die politischen Rahmenbedingungen das staatliche System in den Vordergrund stellen, doch ohne die zweite und dritte Säule werde die erste nicht überleben, so Brachmaier. Der Generalpensionskassenvertrag sei deshalb ein Schritt in die richtige Richtung.

Petra Wallner, bei der Ergo Versicherung im Bereich bAV-Produktmanagement tätig, sieht den Generalpensionskassenvertrag aber nur als „ersten Schritt“, viele weitere müssten noch folgen. Notwendig sei insbesondere auch die dritte Säule.

Kein Thema bei jungen Menschen

Umfragen zufolge würden 37 Prozent der Österreicher ein Alter zwischen 21 und 30 Jahren als idealen Zeitpunkt bezeichnen, mit einer Vorsorge zu beginnen, so Schwarzer. Tatsächlich würden aber nur drei bis fünf Prozent dieser Altersgruppe über eine betriebliche Lösung verfügen.

Viele junge Menschen würden sich sehr wohl mit finanziellen Fragen beschäftigen und auch im Freundeskreis regelmäßig darüber reden, betont Ilies. Zeit für die Familie sei wichtig, gleichzeitig wünsche man sich vom Arbeitgeber natürlich Benefits; eine Versicherung sei ein „Pluspunkt“.

Bei Bewerbungen gehe es aber nicht um Versicherung oder Vorsorge; Fragen würden sich um Aufstiegsmöglichkeiten, Gehalt oder bezahlte Überstunden drehen. Junge würden nicht so langfristig denken und auch nicht wissen, dass man danach fragen sollte. Sie seien aber „definitiv ansprechbar“.

Bei Bewerbungen sei bAV kein Thema, die Frage komme nicht vor, sagt auch Brachmaier. Junge Bewerber seien gut informiert, wichtig seien ihnen Arbeitszeit, soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit. Es gebe zwar auch Fragen nach Produktangeboten, aber nicht speziell zur bAV.

Nicht sexy genug

Angesichts der Tatsache, dass die Verlängerung des Durchrechnungszeitraums und die starke Anhebung der Höchstbemessungsgrundlage in den vergangenen Jahren zu einer größeren Pensionslücke führen werden, stellt Schwarzer die Frage, was Versicherer dazu tun können, damit die bAV „sexyer“ wird.

Die betriebliche Altersvorsorge sei ein „low bis no interest“-Thema, so Mollnhuber. Sie sei kein Thema des Arbeitnehmers, sondern eines des Arbeitgebers. Mit 18 oder 19 Jahren werde eine Entscheidung, zu einem bestimmten Arbeitgeber zu gehen, nicht deshalb getroffen.

„Wenn uns etwas eingefallen wäre, hätten wir es schon gemacht“, sagt Wallner. Wichtig wäre es, die bAV transparenter, greifbarer und visueller zu gestalten. Negativ würde sich aber auch der Ruf der Versicherer auswirken.

Für Ilies wäre es wichtig, Menschen mit persönlichen Geschichten zu sensibilisieren. Gerade Junge würden echte und authentische Geschichten von Menschen sehen wollen. Und sie würden auch wissen, dass die erste Säule nicht reichen wird; was fehle, sei oft die Finanzbildung.

Zielgruppe bleiben Arbeitgeber

Auch über Arbeitnehmervertreter könnte man die bAV weiterbringen, Berater könnten diese als zusätzliche Zielgruppe ansprechen, schlägt Schwarzer vor.

Mollnhuber betont, dass man mit Kollektivverträgen zwar „in die Breite“ kommen könnte, dies sei aber ein politisches Problem. Der Großteil der Arbeitnehmervertreter sei daran nicht interessiert, die bAV sei heute eine Arbeitgeber-Entscheidung.

Berater sollten ihren Fokus auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber richten, so Wallner. Die bAV sei für die Mitarbeiterbindung wichtig, in Zeiten, in denen qualifizierte Mitarbeiter immer schwerer zu finden sind. Es sei schmerzhaft, Mitarbeiter zu verlieren, auch, weil damit Knowhow abhandenkommt.

Realität sei aber auch, dass sich die Mitarbeiterbindung ändert, betont Brachmaier, Menschen würden nicht mehr bis zur Pension in einem Unternehmen bleiben. Nichtsdestoweniger sei die bAV aber ein „äußerst relevantes Standbein“.

 
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