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Kritische erste Bilanz über IDD-Effekte in der Praxis

14.5.2019 – Die Vorgaben des neuen Vertriebsrechts haben laut dem Kärntner Makler-Fachgruppenchef Franz Ahm zu 15 bis 20 Prozent Mehraufwand geführt. Aus seiner Sicht wird das Ziel größerer Transparenz nicht erreicht. Er fordert eine Evaluierung der IDD unter Beteiligung der Marktteilnehmer. Gerhard Heine, Wiener Städtische, beurteilt speziell die Kontrollaufgaben der Versicherer gegenüber Vermittlern mit Skepsis. Allen gemein sei, „dass wir zusätzliche Kosten haben“.

Jahrelang wurde diskutiert, was die neuen Regulierungen eines Tages bringen werden. Das Veldener Symposion 2019 war nun das erste nach der, zumindest auf Gesetzesebene, erfolgten nationalen Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD).

Es war somit auch das erste, bei dem ein Blick auf die tatsächlichen Auswirkungen in der Praxis geworfen werden konnte. „Die letzten Jahre haben viel an Regulierung gebracht“, stellte Franz Ahm, Obmann der Fachgruppe der Versicherungsmakler in Kärnten, vorab fest.

„15 bis 20 Prozent Mehraufwand“

Der „bürokratische Aufwand“ habe „massiv zugenommen“, selbst bei an sich weniger komplexen Versicherungsprodukten. Ahm sprach von 15 bis 20 Prozent Mehraufwand „allein auf arbeitstechnischer Seite“.

Für ihn geht die Art und Weise der Regulierung „an Konsumentenschutz und Transparenz vorbei“. Denn je höher der Stapel an Unterlagen sei, desto geringer sei die Motivation des Kunden, sich damit zu befassen, und desto größer die Abwehrhaltung. Das führe letztlich zu weniger Transparenz.

Die IDD „mag in der Theorie gut klingen“, folgerte Ahm, in der Praxis gestalte sich die Umsetzung aber schwierig. Er plädierte für ein „starkes Bildungssystem“ als Instrument des Kundenschutzes.

„Entschärfungen gelungen“

Kritisch äußerte er sich auch im Zusammenhang mit der 2018 vieldiskutierten Umsetzung der neuen regulatorischen Vorgaben in Courtage- bzw. Zusatzvereinbarungen.

Einige Versicherer seien von der Mustervorlage abgewichen, was nach Ahms Dafürhalten „ein bisschen ein Angriff auf die Existenzgrundlage der Versicherungsmakler“ war. Schlussendlich seien aber „Entschärfungen“ gelungen.

Richtlinie überprüfen und dabei auf den Markt hören

An die Politik richtete der Kärntner Fachgruppenchef den Appell, im Zuge einer Evaluierung der IDD die Marktteilnehmer zu befragen und allenfalls Adaptierungen vornehmen.

Vorgesehen ist eine Evaluierung bereits in der Richtlinie selbst: Gemäß Artikel 41 überprüft die EU-Kommission die IDD bis zum 23. Februar 2021, also innerhalb von zwei Jahren nach dem ursprünglich angepeilten Anwendungsbeginn.

Die EU-Versicherungsaufsicht Eiopa wiederum – das ist ebenfalls in der Richtlinie festgelegt – erstellt schon bis zum 23. Februar 2020 „einen zweiten und danach mindestens alle zwei Jahre einen weiteren Bericht“ über die Anwendung der IDD.

Skepsis gegenüber Kontrolle durch Versicherer

Gerhard Heine, bei der Wiener Städtischen Versicherung AG Leiter des Partnervertriebs, beleuchtete die praktischen Auswirkungen der neuen Rechtslage aus der Perspektive des Versicherers. Skeptisch sieht er etwa § 131 VAG, wo es um den Wunsch-und-Bedürfnis-Test geht.

Für diesen Test muss das Versicherungsunternehmen die erforderlichen Informationen einholen. Es muss dies aber nicht tun, wenn ein Vermittler das Produkt vertreibt, außer – und das ist für Heine der der Knackpunkt – wenn es „Grund zu der Annahme [hat], dass dem Versicherungsnehmer dessen Wünschen und Bedürfnissen nicht entsprechende Verträge angeboten werden“.

„Das stelle ich mir spannend vor“, sagte Heine, der für diesen Fall neben schlechter Stimmung im Verhältnis zwischen Versicherer und Vermittler auch Irritationen beim Kunden prognostiziert. Überdies könne so eine Konstellation die Frage aufwerfen, wer für die Beratung haftet, was mit der Provision passiert und ob so vielleicht Rücktrittsrechte kreiert werden.

Heine hält es deshalb für „übertrieben“, wegen „vielleicht drei Prozent, die schlecht beraten, 97 Prozent schwerstens zu kontrollieren“.

„Versuchen nicht, Ihnen etwas wegzunehmen“

Wenn bei Vertriebspartnern der Eindruck entstanden sei, dass die Versicherungswirtschaft die IDD als „Deckmantel“ für unliebsame Maßnahmen nutzen wollte – „dem ist nicht so“, betonte Heine.

Hinsichtlich der Gesetzesauslegung gebe es Differenzen, zum Beispiel in Bezug auf die qualitativen Kriterien beim Entgelt. Hier habe es „leidenschaftliche Diskussionen“ gegeben, die aber ein gutes Ende gefunden hätten. Heine unterstrich: Die Versicherer „versuchen nicht, Ihnen etwas wegzunehmen“.

Die Versicherungswirtschaft müsse einerseits den Anforderungen der Aufsicht genügen, anderseits sei sie den Vertriebspartnern verpflichtet. „Wir prüfen nicht nur, wir werden auch geprüft“, so Heine. „Uns eint, dass wir zusätzliche Kosten haben“, sagte er an das Publikum gerichtet.

Die Versicherungswirtschaft vertraue darauf, dass sich die Vertriebspartner im rechtlich vorgegebenen Rahmen bewegen und sich für die Versicherer dadurch erst gar nicht die gesetzliche Notwendigkeit ergebe, die Arbeit des Vermittlers „ein zweites Mal“ zu machen.

 
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