19.1.2026 – Zwischenstaatliche Konflikte, technologische Beschleunigung, Verschlechterung der ökologischen Situation und überwiegend keine positiven Erwartungen für die Weltlage: Der „Global Risks Report 2026“ zeichnet kein rosiges Bild der nächsten Jahre. Kurz- und mittelfristig dominieren nach Ansicht der Befragten geoökonomische Konfrontation, bewaffnete Auseinandersetzungen, Falsch- und Desinformation sowie gesellschaftliche Polarisierung die Risikolandschaft. Auch Extremwetterereignisse rangieren auf den vorderen Plätzen, Umweltthemen rücken vor allem längerfristig in den Fokus.
Geoökonomische Konfrontation – das ist das in diesem Jahr das größte Risiko, jedenfalls laut dem neuen „Global Risks Report 2026“ des Weltwirtschaftsforums (WEF).
Auf die Frage, welches aus einer Liste von 33 Risiken 2026 am ehesten zu einer erheblichen globalen Krise führen könnte, wählten 18 Prozent dieses Risiko. Auch hinsichtlich seiner Bedeutung belege es Rang 1, „was einem Anstieg um acht Positionen gegenüber dem Vorjahr gleichkommt“.
An zweiter Stelle folgen zwischenstaatliche Konflikte (14 Prozent), danach Extremwetterereignisse (8 Prozent), gesellschaftliche Polarisierung (7 Prozent) sowie Falsch- und Desinformation (7 Prozent). Alle anderen Risiken kommen auf 5 Prozent oder deutlich weniger Nennungen.
Der Bericht, so das WEF, identifiziert und analysiert „die drängendsten Risiken über unmittelbare, kurz- und langfristige Zeithorizonte hinweg“. Die internationale Umfrage dazu stützt sich auf Ansichten von über 1.300 Führungskräften und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, öffentlichen Institutionen und Zivilgesellschaft.
„Die Prognosen von Führungskräften und Experten sind sehr besorgniserregend“, heißt es seitens des Weltwirtschaftsforums.
Die Hälfte der Befragten rechne in den nächsten zwei Jahren mit einer „turbulenten oder stürmischen“ Weltlage – um 14 Prozentpunkte mehr als ein Jahr davor; weitere 40 Prozent rechnen für die nächsten zwei Jahre mit zumindest unsicheren Zuständen, während 9 Prozent Stabilität und 1 Prozent Ruhe erwarten.
„Eine neue Wettbewerbsordnung nimmt Gestalt an, da die Großmächte versuchen, ihre Interessenssphären zu sichern“, sagt WEF-Präsident Børge Brende. Er spricht von einer sich verändernden Landschaft, „in der die Zusammenarbeit deutlich anders aussieht als in der Vergangenheit“.
In naher Zukunft, so das WEF, werden bewaffnete Konflikte, der Einsatz wirtschaftlicher Mittel als Waffe und die Fragmentierung der Gesellschaft aufeinandertreffen. Im zweijährigen Zeithorizont steht – so wie kurzfristig 2026 – die geoökonomische Konfrontation ganz oben im Risikoranking. Dahinter folgen Falsch- und Desinformation sowie gesellschaftliche Polarisierung.
Was die Aussichten für die nächsten zehn Jahre angeht, ist die Erwartungshaltung eher noch schlechter: 57 Prozent rechnen mit einer „turbulenten oder stürmischen“ Weltlage, 32 Prozent gehen von Unsicherheit aus, 10 Prozent von „Stabilität“. Auch auf lange Sicht erwartet nur 1 Prozent Ruhe.
Anders als kurzfristig dominieren langfristig Umweltthemen: Als größtes Risiko der kommenden zehn Jahre werden Extremwetterereignisse gesehen. An zweiter Stelle liegen ein Verlust an Biodiversität und ein Ökosystemkollaps, an dritter folgen kritische Veränderungen in den Systemen der Erde.
Hinzu kommen technologische Risiken wie etwa solche, die sich aus künstlicher Intelligenz ergeben. Auch „Cyberunsicherheit“ ist, in allen drei Zeithorizonten, unter den Top Ten.
In Bezug auf die geopolitischen Aussichten erwarten 68 Prozent der Befragten in den nächsten zehn Jahren eine „multipolare oder fragmentierte Ordnung“, vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
| # | 2026 | Zeithorizont: zwei Jahre | Zeithorizont: zehn Jahre |
|---|---|---|---|
| Quelle: Weltwirtschaftsforum, „The Global Risks Report 2026“ | |||
| 1. | Geoökonomische Konfrontation | Geoökonomische Konfrontation | Extremwetterereignisse |
| 2. | Zwischenstaatliche bewaffnete Konflikte | Falsch- und Desinformation | Verlust an biologischer Vielfalt und Kollaps des Ökosystems |
| 3. | Extremwetterereignisse | Gesellschaftliche Polarisierung | Kritischer Veränderungen in Systemen des Planeten |
| 4. | Gesellschaftliche Polarisierung | Extremwetterereignisse | Fehl- und Desinformation |
| 5. | Falsch- und Desinformation | Zwischenstaatliche bewaffnete Konflikte | Ungünstige Ergebnisse von KI-Technologien |
| 6. | Wirtschaftsabschwung | Cyberunsicherheit | Engpässe bei natürlichen Ressourcen |
| 7. | Erosion von Menschenrechten und/oder bürgerlichen Freiheiten | Ungleichheit | Ungleichheit |
| 8. | Ungünstige Ergebnisse von KI-Technologien | Erosion von Menschenrechten und/oder bürgerlichen Freiheiten | Cyberunsicherheit |
| 9. | Cyberunsicherheit | Verschmutzung | Gesellschaftliche Polarisierung |
| 10. | Ungleichheit | Unfreiwillige Migration oder Vertreibung | Verschmutzung |
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