27.8.2025 – Hohes Verkehrsaufkommen, unübersichtliche Kreuzungen, fehlende Zebrastreifen – das sind öfters genannte Schwachstellen, die Eltern auf dem Schulweg ihrer Kinder ausmachen. Auch Ablenkung spielt eine Rolle – mitunter eine unterschätzte, wie man im ÖAMTC meint.
2024 wurden in Österreich auf den Schulwegen bei 419 Unfällen 451 Kinder verletzt. Ipsos hat vor diesem Hintergrund im Auftrag des ÖAMTC und des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) im Frühjahr 600 Eltern von Volksschulkindern zum Mobilitätsverhalten der 6- bis 10-Jährigen befragt.
Die Zufriedenheit mit dem Schulweg ist demnach prinzipiell sehr hoch, teilte der ÖAMTC am Dienstag mit. „Zwei Drittel der Eltern bewerten die Verkehrssituation auf dem Schulweg ihrer Kinder als ‚sehr gut‘ oder ‚gut‘“, sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger, „fast ein Drittel aber nur als ‚befriedigend‘ oder schlechter.“
Fast ein Drittel der Eltern sehe große Schwierigkeiten am Schulweg, „31 Prozent durch hohes Verkehrsaufkommen, 18 Prozent durch unübersichtliche Kreuzungen, 17 Prozent durch fehlende Zebrastreifen und 16 Prozent durch Ablenkung“.
38 Prozent der Eltern wünschten sich mehr Zebrastreifen und sichere Übergänge, 33 Prozent mehr Tempo-30-Zonen in Schul- und Wohngebieten und 30 Prozent einen vermehrten Einsatz von Schülerlotsen.
Was das Wissen um und das Befolgen von Verkehrsregeln angeht, schätzen so gut wie alle Eltern ihre Kinder als gut gewappnet ein.
„Laut Befragung kennen 93 Prozent der Kinder die wichtigsten Regeln bereits vor dem Schuleintritt, so zum Beispiel den ‚Pendelblick‘ – also links-rechts-links schauen – sowie die richtige Ampel- und Zebrastreifennutzung. Und wenn Kinder allein unterwegs sind, halten sie sich laut ihren Eltern an die Regeln – 63 Prozent immer, 27 Prozent meistens“, so Seidenberger.
Das Handy als Ablenkungsursache werde aber möglicherweise unterschätzt. „Laut Befragung haben fast 45 Prozent der Volksschulkinder am Schulweg ein Handy dabei, von den Älteren sogar noch mehr. Aber nur 13 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind dadurch ‚häufig‘ abgelenkt wird, weitere 27 Prozent vermuten ‚manchmal‘ eine Ablenkung.“
Die meisten Volksschüler brachen für den Schulweg 15 Minuten oder weniger. Mehr als die Hälfte geht zu Fuß. Nur ein Viertel geht den Schulweg allein.
Jedes dritte Kind wird mit dem Auto zur Schule gebracht, vor allem bei schlechtem Wetter, aber auch wenn die Schule am Arbeitsweg liegt, wenn es eine Zeitersparnis für das Kind bedeutet oder eine „höhere gefühlte Sicherheit“ bringt , so die Verkehrspsychologin. Mit zunehmender Dauer des Schulwegs steige die Nutzung von Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln.
Scooter, Skateboard und ähnliches verwenden laut Befragung 17 Prozent, das Fahrrad 13 Prozent der Volksschulkinder. „Hier sehen wir steigende Nutzungs- und Unfallzahlen“, sagt Seidenberger und sieht daher die Notwendigkeit, für die Zukunft Sicherheitskonzepte zu erarbeiten.
Auch die Eltern selbst können konkret handeln, etwa, indem sie den Schulweg mit den Kindern üben, wie Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrssicherheit im KFV, sagt.
„Großes Potenzial“ sehen KFV und ÖAMTC auch darin, dass sich 79 Prozent der Befragten bereit zeigen, sich zumindest zeitweise an Maßnahmen zur Verbesserung der Schulwegsicherheit zu beteiligen. Seidenberger: „Hier müsste man das Potenzial evaluieren und mögliche Umsetzungen ausarbeiten und Unterstützung anbieten.“
Das KFV und die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) haben erst vor kurzem die neue Plattform schulwegsicherung.at vorgestellt, die Informationen zur Tätigkeit von Schülerlotsen bereitstellt.
Der Fachverband der Versicherungsmakler machte am Montag angesichts des nahenden Schulbeginns auf seiner Facebook-Seite auf die Grenzen der gesetzlichen Unfallversicherung für Kinder aufmerksam.
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