19.10.2026 – Großes Interesse ortet die Studie bei den Österreichern für Möglichkeiten der Pensionsvorsorge; tatsächliche Maßnahmen haben aber nur wenige ergriffen. Und die aktuell angespannte wirtschaftliche Lage vieler Haushalte lasse das Thema Vorsorge in den Hintergrund treten. Über die zu erwartende eigene Pension wissen nur die wenigsten Bescheid.

In ihrer aktuellen Finanzvorsorgestudie hat sich die Uniqa Insurance Group neben der Bedeutung der künstlichen Intelligenz für finanzielle Entscheidungen (VJ 16.10.2026) auch mit dem aktuellen Status der Vorsorge und dem Wissensstand zu Finanzen beschäftigt.
Die wahrgenommene Wichtigkeit der Finanzvorsorge befinde sich wie in den Vorjahren auf einem hohen Niveau, betonte Studienleiterin Martina Zöchner vom Marktforschungsinstitut Reppublika bei der Präsentation der Studie.
Hohes Interesse bestehe insbesondere für Möglichkeiten der Pensionsvorsorge, die Höhe und die Konditionen der zu erwartenden eigenen Pension, das Pensionssystem und Pensionsversicherungen im Allgemeinen sowie an unterschiedlichen Veranlagungsformen.
Dabei zeige sich, dass pensionsbezogene Themen für Männer und Frauen gleich interessant sind, während das Interesse für Anlagethemen bei Männern und der Generation der 18- bis 29-Jährigen überdurchschnittlich hoch ist.
Mit der eigenen finanziellen Vorsorge beschäftigen sich allerdings nur 41 Prozent der Befragten, um drei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Die aktuellen finanziellen Belastungen würden dazu führen, dass kurzfristige Themen im Vordergrund stehen, so Zöchner.
Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Geschlechtern: Nur 36 Prozent der Frauen, aber 46 Prozent der Männer haben sich bereits mit ihrer eigenen Vorsorge beschäftigt. Vor allem bei jungen Frauen gebe es kein ausgeprägtes Problembewusstsein, ergänzt Bettina Fuhrmann, Leiterin des Kompetenzzentrums für Finanzbildung an der Wirtschaftsuniversität Wien.
Konkrete Maßnahmen, um im Alter abgesichert zu sein, hat bisher nur knapp mehr als ein Drittel der Studienteilnehmer getroffen; auch hier war die Entwicklung 2026 rückläufig. Dieser Trend halte auch schon länger an: 2021 hatten noch 44 Prozent angegeben, konkrete Maßnahmen ergriffen zu haben.
Deutlich schlechter als 2025 schätzten die Befragten heuer auch ihr Wissen zum Thema Finanz und Vorsorge ein; nur rund ein Viertel hält es für eher oder sehr hoch. Grund dafür könnte aber auch steigendes Problembewusstsein sein, so Fuhrmann.
Die eigene finanzielle Situation schätzten in der diesjährigen Befragung nur noch 53 Prozent als eher oder sehr gut ein; vor einem Jahr waren das noch 59 Prozent. Als sehr schlecht empfinden 12 Prozent ihre finanzielle Lage (2025: 11 Prozent). Grund dafür sei die aktuelle finanzielle Belastung vieler Haushalte.
Das zeigt sich laut Studie auch im Alltag: Rund ein Drittel gibt an, dass ihr monatliches Einkommen in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal nicht zur Deckung der Lebenshaltungskosten gereicht hat. Und nur die Hälfte der Befragten könnte eine Zahlung in Höhe eines Monatseinkommens leisten, ohne sich Geld auszuborgen.
Schlecht steht es auch um die finanzielle Absicherung bei einem Ausfall ihrer Haupteinnahmequelle: Nur 45 Prozent könnten ihre Lebenshaltungskosten dann zumindest drei Monate decken. Acht Prozent könnten nicht einmal eine Woche lang laufende Ausgaben des täglichen Lebens bezahlen.
Die aktuellen Themen würden auch dazu führen, dass sich die Menschen Gedanken über ihre finanzielle Situation und Vorsorge machen: 44 Prozent sagen, dass das eher oder sehr häufig passiert. Und von diesen empfindet mehr als die Hälfte diese Gedanken im Alltag als belastend.
Aufgrund der angespannten Verhältnisse rücke das Thema Vorsorge bei vielen Haushalten aber in den Hintergrund, so Zöchner. Dies sei ein „alarmierendes Ergebnis“ der Studie. Diese ausgeprägte Gegenwartsorientierung führe dazu, dass Vorsorge häufig aufgeschoben wird, ergänzt Fuhrmann.
Dazu komme, dass viele Österreicher nur ein vages Bild ihrer eigenen Pensionssituation haben, sagt der für Personenversicherungen zuständige Uniqa-Vorstand René Knapp. So würden nur elf Prozent die Nettoersatzrate richtig einschätzen; Mehr als die Hälfte unterschätzt sie, aber ein Drittel kann keine Einschätzung abgeben.
Konkrete Berechnungen ihrer voraussichtlichen Pensionshöhe hätten bisher 17 Prozent der Studienteilnehmer durchgeführt oder durchführen lassen, deutlich mehr als die Hälfte hat sich bisher nicht näher oder überhaupt noch nicht damit beschäftigt.
Es gebe nicht zu wenig Interesse an Vorsorge, sondern mangelnde Orientierung, resümiert Knapp. Vorsorge müsse einfach, flexibel und leistbar sein. Erleichtert werde die Orientierung durch Finanzwissen, das darüber hinaus Handlungsspielräume schaffe.
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