22.1.2026 – Bei Kassenärzten müssen Patienten im Mittel bis zu 13-mal länger auf einen Termin warten als bei Privatärzten. Das ist eines der Ergebnisse eines Tests des Versicherungsmaklers Avers (krankenversichern.at). Besonders drastisch sei die Diskrepanz in stark nachgefragten Disziplinen. COO Sebastian Arthofer spricht von einer „klaren Zweiteilung“ der Geschwindigkeit.

Die oberösterreichische Avers Versicherungsmakler GmbH, Betreiberin von krankenversichern.at, hat analysiert, wie sich Wartezeiten im Wahlarztsektor von jenen im öffentlichen System, also bei Kassenärzten unterscheiden.
Dafür habe man österreichweit 3.182 Arztkontakte – je zur Hälfte Kassen- und Wahlärzte – ausgewertet. Die Feldphase für die Wahlärzte dauerte von 25. November 2025 bis 16. Jänner 2026, jene für die Fachärzte umfasst den September 2025.
Die Tester seien als potenzielle Neupatienten aufgetreten, für den Kontaktprozess habe man Telefon, E-Mail und Online-Buchungsdienste genutzt. Die statistische Auswertung erfolgte auf Basis des Medians.
„Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Diskrepanz in der Versorgungsgeschwindigkeit: Der Median der Wartezeit ist im öffentlichen Sektor über alle Fachrichtungen hinweg um ein Vielfaches höher als im privaten Sektor“, fasst das Unternehmen das Resultat zusammen.
Während im Kassensektor oft Monatsfristen gälten, liege die Wartezeit privat in allen 14 Fachrichtungen unter zwei Wochen. Kassenpatienten, heißt es weiter, warten im Median bis zu 13-mal länger auf einen Facharzttermin.
„Besonders drastisch“ zeige sich der Unterschied in stark nachgefragten Disziplinen. Kassenpatienten müssten oft wochenlang warten, die private Verfügbarkeit etwa in der Orthopädie liege hingegen bei zwei Tagen oder in der Radiologie bei drei.
Die größte Differenz wurde in der Augenheilkunde festgestellt. „Hier stehen 52 Tage Wartezeit im Kassensystem einer Verfügbarkeit von vier Tagen beim Wahlarzt gegenüber.“
Die kürzeren Wartezeiten im privaten Sektor resultierten aus mehreren strukturellen Faktoren, heißt es seitens des Versicherungsmaklers.
Avers identifiziert drei: erstens eine wachsende Anzahl an Wahlärzten, zweitens eine geringere Patientendichte bei Wahlärzten, die eine „kurzfristigere Taktung“ ermögliche, und drittens könne ein Wahlarzt Ressourcen und Ordinationszeiten „flexibler an die Nachfrage anpassen“.
Für sieben von zehn ist die Vermeidung von Wartezeiten heute das Hauptmotiv für eine private Versicherung.
Sebastian Arthofer, COO krankenversichern.at
„Während das öffentliche System mit Kapazitätsgrenzen kämpft, fungiert der Wahlarztsektor als schnellerer Versorgungskanal“, kommentiert COO Sebastian Arthofer die am Mittwoch veröffentlichten Ergebnisse.
„Wir müssen die Zwei-Klassen-Medizin endlich bekämpfen“, reagierte SPÖ-Gesundheitssprecher Rudolf Silvan in einer Aussendung auf diese Zahlen und verwies auf den „Gesundheitsreformfonds“.
Mit diesem stehe ein Volumen von 500 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich für das öffentliche Gesundheitssystem zur Verfügung. Unter anderem sollen damit mehr Kassenstellen geschaffen werden, nicht zuletzt um Wartezeiten zu verkürzen.
Falls die Wartezeiten hoch bleiben, werde man „weitere Schritte“ gehen. Die SPÖ denkt dabei an Folgendes:
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