16.1.2026 – Um die Auswirkungen klimabedingter Schäden zu reduzieren, hat der WWF gemeinsam mit Experten aus Versicherungen, Wissenschaft und Regulierung Empfehlungen ausgearbeitet. Diese umfassen eine systematische Bewertung von Klimarisiken und Resilienz, eine umfassende Naturschutz-Offensive und einen stärkeren Fokus auf naturbasierte Lösungen.
„Nach der letzten Naturkatastrophe ist vor der nächsten Naturkatastrophe“, schreibt der WWF in seinem jüngsten White Paper mit dem Titel „Tackling the Insurance Protection Gap“, zu Deutsch etwa: „Fertig werden mit der Lücke beim Versicherungsschutz“.
Der Report analysiert, wie Klimawandel und Naturverlust die Versicherbarkeit unterminieren und damit die weltweite Lücke des Versicherungsschutzes vergrößern. Gleichzeitig zeigt er mögliche politische Lösungen auf, um die Resilienz von Haushalten, Unternehmen und Regierungen zu stärken.
Er richtet sich damit an Regierungen, politische Entscheider, Regulatoren sowie den Versicherungssektor und betont die Notwendigkeit, sich mit den Wurzeln des Risikos, Klimawandel und Naturverlust, zu beschäftigen, um sicherzustellen, dass Gesellschaften versicherbar bleiben.
Die Auswirkungen von Klimawandel und Naturverlust seien in allen Bereichen des Versicherungssektors spürbar, nicht nur in der Versicherung von Hauseigentümern, so der WWF.
So würden Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Klima zunehmen und sich auch auf Haftpflichtversicherungen und das gesamte Versicherungssystem auswirken. Ebenso können von der Zunahme extremer Wetterereignisse Betriebsunterbrechungsversicherungen betroffen sein.
Weitere Beispiele seien landwirtschaftliche Versicherungen, die durch vom Klimawandel verursachte Schäden unter Druck geraten können, sowie auch Krankenversicherungen, bei denen durch den Anstieg der Temperaturen verursachte höhere Todesraten und niedrigere Produktivität Kosten treiben können.
Schließlich seien öffentliche Infrastruktur und Naturressourcen zwar oft nicht gegen Schäden durch Klima- und Naturgefahren versichert, ohne adäquate öffentliche Fonds werde aber die Wiederherstellung verzögert.
Steigende Verluste und größere Versicherungslücken haben finanzielle, ökonomische, soziale und fiskalische Konsequenzen, warnt der WWF. Sie bedrohen die ökonomische und finanzielle Stabilität, den Wohlstand und den sozialen Zusammenhalt.
Underwriting und Bepreisung der Risiken von Extremwetterereignissen durch Versicherer hätten systemische Auswirkungen, die weit über den Versicherungssektor hinausgehen. Es gebe viele Kanäle, durch die klimabezogene Risiken von diesem in die Realwirtschaft übertragen werden.
Dazu würden laut WWF neben direkten physischen Auswirkungen auf Assets und Infrastruktur auch indirekte Effekte der Versicherungs- und Finanzmärkte sowie breitere, makroökonomische Rückkoppelungseffekte zählen.
Mangelnde Versicherung führe zu anhaltenden ökonomischen Schäden. So gebe es Auswirkungen auf Hypotheken und Immobilienmärkte, die Einkommen der Haushalte, das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen sowie höhere finanzielle Lasten für die Allgemeinheit.
Gemeinsam mit einer Beratergruppe aus Repräsentanten von Versicherungen, der Wissenschaft und Regulatoren seien Empfehlungen erarbeitet worden, um die Versicherungslücke zu bekämpfen – zum Nutzen für Menschen, Wirtschaft, Regierungen und Natur, so der WWF.
Dieser Ansatz verbinde Strategien, das Risiko von Naturkatastrophen zu reduzieren, die Resilienz zu erhöhen, dabei die Wurzeln der steigenden Risiken zu adressieren und die Leistungsfähigkeit des Versicherungssektors zu nutzen.
Die Empfehlungen beinhalten eine holistische und auf die Zukunft gerichtete Bewertung von Risiken und Resilienz sowie die Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen und der Naturzerstörung sowohl im Inland als auch durch internationale Kooperation.
Weiters müssten naturbasierte Lösungen Kernstück der Vorbereitungen auf die Auswirkungen des Klimawandels, der Resilienzplanung und der Anstrengungen für eine Erholung der Natur werden. Und schließlich sollten politische Anreize und Versicherungsregulierung Risikotransfer-Lösungen und finanzielle Wiederstandsfähigkeit fördern.
Auch Österreich stehe vor diesen weltweiten Herausforderungen, betont der WWF Österreich dazu in einer Aussendung. Bis 2030 könnten die jährlichen klimabedingten Schäden hierzulande auf fünf Milliarden Euro steigen, bis 2050 könnten sie sich verdoppeln.
Die Klimakrise werde immer teurer und damit immer weniger versicherbar. Bereits heute seien in einigen Hochwasser-Risikogebieten entsprechende Versicherungen faktisch nicht mehr erhältlich. Die Kosten würden daher häufig private Haushalte, Unternehmen und letztlich der Staat tragen.
Investitionen in Klimaschutz, Natur und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen werde sich künftig mehrfach auszahlen, so WWF-Österreich-Expertin Teresa Gäckle; es brauche jetzt entschlossenes Handeln, bevor die Kosten der Klimakrise untragbar werden.
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