20.10.2026 – Das Thema Vorsorge hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung zugelegt, viele würden aber immer noch nicht planen oder handeln wollen, sagt Standard-Life-Österreich-Vertriebschef Christian Nuschele. Die Maklerkonsolidierung sieht er grundsätzlich positiv, Versicherer seien dadurch gezwungen, „weiter zu denken“.

Seit 1999 ist die auf Vorsorge- und Ruhestandslösungen spezialisierte Standard Life Versicherung mit einer eigenen Niederlassung in Österreich auf dem Markt.
Mit Christian Nuschele, Head of Distribution Deutschland und Österreich, haben wir darüber gesprochen, wie sich der Markt seit damals verändert hat.
War anfangs noch der „Tilgungsträger“ das Kerngeschäft, so hätten Zinsentwicklung und Regulatorik dazu geführt, dass das Thema Vorsorge wichtiger wurde.
Und wenn ursprünglich klassische Produkte angeboten wurden, rückten ab 2006 Fondspolizzen und ab 2018 ungezillmerte Produkte in den Fokus.
Heute biete der Markt attraktive Gestaltungsmöglichkeiten für Berater und aus Verbrauchersicht sehr attraktive Konditionen, so Nuschele – seien es gezillmerte Produkte für die Langfristplanung, ungezillmerte, um anzusparen, oder Einmalerläge für die Ruhestandsplanung.
Seit sieben bis acht Jahren sei ein steigendes Verbraucherbewusstsein zu beobachten, sagt Nuschele. Die Menschen würden einerseits immer kritischer die Transparenz sowie die Kosten hinterfragen und die Frage stellen, was sie von einem Produkt erwarten können.
Andererseits gebe es immer mehr, „die aktiv verstehen, dass das Pensionssystem nicht ausreicht“. Das Verständnis, dass sie irgendetwas tun müssen, wachse. Dennoch gebe es bemerkenswert viele, die weder planen noch handeln wollen und das Thema hinausschieben.
Vor allem für jene, die am dringendsten vorsorgen müssten, werde die wirtschaftliche Situation immer schwieriger, so Nuschele. Dagegen seien die, die es nicht so dringend bräuchten, bei ihrer Vorsorge aktiver; für sie sei aber auch die „Wahrheit nicht so unbequem“.
In jüngster Zeit würden sich darüber hinaus immer mehr Menschen Digitalunterstützung holen. Der Trend zu digitaler Beratung und Self-Service schwappe auch in die Vorsorgeindustrie hinüber, es gebe immer mehr Marktteilnehmer, die hier „Achtungserfolge“ erzielen, auch wenn es „noch nichts Großes“ sei.
Mit „Myfolio“ biete Standard Life heute auch eine Vermögensverwaltung, die auf das individuelle Risikoprofil zugeschnitten ist. Dabei werden die Fonds nicht auf Rendite, sondern auf Schwankungs- und Risikovorgaben hin gemanagt. Nuschele: „Es gibt kein Renditeziel und keine Benchmark.“
Die Idee dafür stamme aus dem Vereinigten Königreich; die Briten seien immer „auf der Jagd nach Renditen“ gewesen. Sie hätten dabei aber oft irrationale Anlageentscheidungen getroffen und „Vergangenheitsrendite“ gekauft.
Aufgabe des Fondsmanagements sei es, Zielfonds so zusammenzustellen, dass die Schwankungsbreite innerhalb eines bestimmten Rahmens bleibt. Anleger und Berater sollten regelmäßig darauf achten, ob die Fonds innerhalb der Limits geblieben sind.
Eine weitere Entwicklung, die in den vergangenen Jahren nicht nur in Österreich an Tempo zugelegt hat, ist die Maklerkonsolidierung. Als Versicherer, der ausschließlich mit dem ungebundenen Vertrieb zusammenarbeite, stelle dies eine Herausforderung dar, so Nuschele.
Man müsse diesen Branchentrend ernst nehmen und verstehen. Die Zahl der Ansprechpartner sinke, es komme zu einer Verschiebung der Gewichte zwischen Versicherern und Vertriebseinheiten. Davon betroffen seien Technik, Prozesse und Produktgestaltung.
Die Erwartungshaltung der immer größer werdenden Einheiten und die digitale Prozessoptimierung zwinge Versicherer, innovativer zu werden und ihren Fokus zu verändern; es gehe darum, sich stärker in die Partner hineinzudenken.
Standard Life sehe diese Entwicklung grundsätzlich positiv: Sie führe zu mehr Innovation, Professionalisierung und Effizienz. Und weil der Einfluss der Versicherer damit ein Stück weit nachlässt, sei man gezwungen, weiter zu denken.
In den nächsten Jahren wolle man die Idee der Ruhestandsplanung in Österreich stärker etablieren und das Thema voranbringen, so Nuschele. Wichtig ist ihm eine enge Zusammenarbeit mit den bestehenden Partnern.
Standard Life verzeichne in Österreich seit mehreren Jahren ein jährlich zweistelliges Wachstum; Ziel sei es, das Geschäft „gezielt deutlich auszubauen“.
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