Brandgefährliche Lithiumbatterien – das sagen Versicherer

2.12.2019 – Lithiumbatterien werden in immer mehr Geräten eingebaut. Viele von ihnen landen im Restmüll und stellen eine Brandgefahr vor allem in Entsorgungsbetrieben dar. Aber auch im Privatbereich verursachen sie zunehmend mehr Brände. Zwar gebe es keine Ausschlussgründe für Lithiumbatterien in der Feuerversicherung, Fälle grober Fahrlässigkeit sind aber denkbar. Und im gewerblichen Bereich könnte es zu einer Gefahrenerhöhung kommen.

In einer Presseaussendung machte der Verband österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) kürzlich auf die oft problematische Entsorgung von Lithiumbatterien aufmerksam. Einer Schätzung der Montanuniversität Leoben zufolge landen derzeit 1,4 Millionen jährlich im Restmüll, bis 2025 werde mit 2,5 Millionen gerechnet.

Lithiumbatterien befinden sich unter anderem in blinkenden Kinderschuhen, Tablets, Stabmixern, singenden Grußkarten oder Gartengeräten, so der VOEB. Und natürlich sind sie auch in Elektroautos und Mobiltelefonen eingebaut.

Laut einer Studie wisse aber nur jeder dritte Österreicher, dass diese Batterien „hochexplosiv und daher brandgefährlich“ seien, nur 16 Prozent würden den Unterschied zu herkömmlichen Alkaline-Batterien kennen. Gleichzeitig steige laut VOEB die Zahl der Brände sowie der Störfälle in Entsorgungsbetrieben.

Das VersicherungsJournal hat Sachversicherer zu diesem Thema befragt und von sechs Anbietern Antworten erhalten.

Steigendes Gefahrenpotenzial

Schadhafte Batterien seien in den vergangenen Jahren oft Ursache für Brände im Privat- und im Unternehmensbereich gewesen, so die Generali Versicherung AG. Geräte, die teilweise über Nacht am Ladegerät hängen, würden eine erhöhte Brandgefahr bedeuten; das Bewusstsein dafür sei aber noch nicht ausreichend vorhanden.

Dass es in Österreich vermehrt durch Lithiumbatterien verursachte Schäden gebe, bestätigt auch die Grazer Wechselseitige Versicherung AG (Grawe). Sie macht darauf aufmerksam, dass diese nicht nur Brandquelle sondern auch Brandlast seien.

Man registriere zwar keine täglichen Brände aufgrund entzündender Lithiumbatterien, so die Wiener Städtische Versicherung AG, das Gefahrenpotenzial aufgrund der Verwendung in verschiedensten Bereichen sollte allerdings nicht unterschätzt werden.

Unterschiedliche Erfahrungen

Die Uniqa Österreich Versicherungen AG hatte bisher „erst einen Brand eines batteriebetriebenen Autos. Dieses sei vollkaskoversichert gewesen, man habe „entsprechend dem Vertrag in vollem Umfang geleistet“.

Diverse Brände, die durch Batterien oder Handyakkus ausgelöst wurden, hatte die Allianz Elementar Versicherungs-AG bereits, darunter auch einen bei einem Entsorgungsbetrieb.

Immer wieder passieren durch Defekte bei Mobiltelefonen, Laptops oder Akku-Aufladegeräten Brände, so die Donau Versicherung AG. Allerdings gebe es hierzulande noch keine großen Erfahrungen.

Gefahrenerhöhung durch Lithiumbatterien?

Ob die Lagerung bzw. Entsorgung von Lithiumbatterien eine Gefahrenerhöhung in der Feuerversicherung darstellen kann, wird von den befragten Versicherern unterschiedlich beurteilt.

Im Privatbereich gebe es grundsätzlich keine Gefahrenerhöhung, so die Allianz. Betriebe, die solche Batterien lagern oder entsorgen, müssten dies aber ihrem Versicherer bekanntgeben. Wiener Städtische und Generali betonen, dass es sich dabei um eine Einzelfallfrage handle. Und die Grawe will die Möglichkeit einer Gefahrenerhöhung „für die Zukunft nicht gänzlich“ ausschließen.

Die Uniqa sieht dagegen sehr wohl die Möglichkeit einer Gefahrenerhöhung, weil die Batterien beim Laden einen Brand auslösen können. Ein großes Problem sei auch die oft nicht fachgerechte Entsorgung von Geräten, weil es bei einer Beschädigung der Batterien zu Bränden kommen kann.

Im gewerblichen Bereich müssen die behördlichen Sicherheitsvorschriften bei Entsorgungsunternehmen eingehalten werden, betont die Donau. Im Privatbereich gebe es dagegen grundsätzlich keine vorgeschriebene Lagerung für diese Batterien oder Geräte.

Grobe Fahrlässigkeit bei Lagerung und Entsorgung?

Weitgehend Übereinstimmung herrscht darüber, dass die Frage, ob es sich bei der Lagerung oder Entsorgung von Lithiumbatterien um grobe Fahrlässigkeit handeln könne, im Einzelfall zu beurteilen sei. Wer sich an die Betriebsanleitung und gesetzliche Vorschriften halte, sei aber auf der sicheren Seite, erklärt die Allianz.

Für die Uniqa sind Fälle grober Fahrlässigkeit in diesem Zusammenhang „denkbar“. Sie verweist deshalb auf die private Haftpflichtversicherung, die Folgeschäden an fremden Sachen oder Personenschäden abdeckt. Indiz für grobe Fahrlässigkeit könnte beispielsweise ein manipuliertes Ladegerät sein, so die Generali.

Und für die Grawe ist die Situation bei Lithiumbatterien „nicht anders als bei grob fahrlässigem Umgang mit sonstigen Problemstoffen“ wie brennbaren Flüssigkeiten, radioaktiven Stoffen oder sonstigem Sonderabfall.

Versicherer leistungsfrei?

Es gebe keine speziellen Leistungsausschlüsse für durch Lithiumbatterien verursachte Brände, sind sich die Versicherer einig. Die Allianz macht aber darauf aufmerksam, dass behördliche Auflagen und Sicherheitsvorschriften „jedenfalls zu beachten“ sind.

Durch Lithiumbatterien ausgelöste Brände seien in der Feuerversicherung „grundsätzlich versichert“, so die Allianz weiter. Auch bei der Generali sei das Risiko „im Rahmen der Versicherungsbedingungen mitversichert“. Die Uniqa habe bisher „noch keine Leistung wegen eines Batteriebrands abgelehnt“.

Gründe für eine Leistungsfreiheit des Versicherers gebe es nur bei Vorsatz, wie beispielsweise einer Brandstiftung, nicht aber bei einem „normalen“ Umgang mit diesen Batterien, betont die Grawe. Entsorgungsbetriebe seien aber am Markt derzeit „nur schwer bis gar nicht versicherbar“.

Das vermehrte Auftreten von Schäden durch Lithiumbatterien werde man kaum verhindern können, glaubt die Wiener Städtische. Man müsse im Einzelfall bei der Deckungsprüfung jenen Maßstab anlegen, der bei allzu sorglosem Umgang zur Leistungsfreiheit des Versicherers führen könnte.

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Haftpflichtversicherung · Kfz-Versicherung
 
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