Eine Rückversicherung für Kriegsschäden

26.2.2026 – Die ukrainische VIG-Tochter Kniazha Vienna Insurance Group hat einen Rückversicherungsvertrag mit der U.S. International Development Finance Corporation (DFC) zum Schutz von Sachwerten gegenüber Kriegsschäden abgeschlossen. Wir sprachen darüber mit VIG-Vorstand Harald Riener.

Kriegsschäden in der Ukraine (Bild: Andrew Petrischev/Unsplash)
Kriegsschäden in der Ukraine (Bild: Andrew Petrischev/Unsplash)

VersicherungsJournal: Eine (Rück-)Versicherung von Kriegsrisiko gilt unseres Wissens normalerweise als eher ausgeschlossen. Wie kann das in der Praxis doch funktionieren?

Riener: Es stimmt, dass Kriegsrisiken standardmäßig ausgeschlossen sind. Das gilt auch für Rückversicherungsvereinbarungen. Nachdem es immer wieder Kriege gibt, werden auch von einigen Versicherungen und Rückversicherungen internationale Lösungen angeboten, wie zum Beispiel Llloyd’s Syndikate. Wegen des hohen Risikos werden auch dementsprechende Prämien kalkuliert, wofür meist auch staatliche Unterstützung in Form von Subventionen und Garantien benötigt werden.

VersicherungsJournal: Geht es hier auch um Unterstützung der Ukraine?

Riener: Der Krieg in der Ukraine dauert nun bereits knapp vier Jahre. Die Resilienz des Landes ermöglicht, dass die Ukraine als Staat weiterhin funktioniert.

Viele internationale Organisationen und Partner sowie die ukrainische Regierung haben an Lösungen zur Absicherung gegen Kriegsrisiken unter anderem in Form von Rückversicherungsgarantien gearbeitet, um die Geschäftstätigkeit auch während des Kriegszustandes so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Das ist essenziell für ein Weiterbestehen des ukrainischen Staates.

VersicherungsJournal: Wer konkret fungiert als Rückversicherer?

Riener: In unserer aktuellen Vereinbarung mit der U.S. International Development Finance Corporation (DFC) tritt diese als Rückversicherer auf und deckt bis zum vereinbarten Limit Kriegsrisiken ab.

Es ist uns besonders wichtig, dass unsere ukrainische Gesellschaft Kniazha über den Makler Aon diese Partnerschaft mit DFC eingegangen ist. Wir können damit nicht nur zu langfristiger Stabilität beitragen und unsere Position in der Ukraine für den Wiederaufbauprozess stärken.

Es ist auch ein klares Zeichen für unsere Solidarität und unser langfristig gesetztes Engagement in diesem Land.

VersicherungsJournal: Wie lassen sich Kriegsschäden, bevor sie eintreten, quantifizieren?

VIG-Vorstand Harald Riener (Bild: Marlene Fröhlich luxundlumen.com)
VIG-Vorstand Harald Riener im Gespräch
(Bild: Marlene Fröhlich luxundlumen.com)

Riener: In einem Krieg ist meist nicht vorhersehbar, welches Ausmaß an Zerstörungen und Beschädigungen er mit sich bringt.

Deshalb erfolgt die Berechnung im Vorhinein und die Minimierung der Risiken durch räumliche Diversifizierung und Limitierung der versicherbaren Gebiete, abhängig von der Frontnähe und/oder Spezialobjekten.

VersicherungsJournal: Die Rückversicherungsdeckung durch DFC ist mit 100 Millionen US-Dollar gedeckelt. Wie hoch ist die maximal rückversicherte Schadenssumme pro Einzelfall?

Riener: Das ist das maximale Exposure. Im Vertrag sind spezifische Werte für spezifische Risiken definiert, die unserer Versicherung einen entsprechenden Versicherungsspielraum lassen.

Kniazha ist stark in Regionen vertreten und positioniert sich mehr im Retail-Bereich. Die Versicherungssummen sind für KMU und private Haushalte limitiert und werden selten über 100.000 Euro liegen. Darüber hinaus haben wir strikte Underwriting-Regeln, die das Gesamt-Exposure für die Gesellschaft in den erlaubten Rahmen halten.

VersicherungsJournal: Wie viele Polizzen wurden bzw. werden hier abgeschlossen?

Riener: Die Vereinbarung mit DFC wurde mit Februar 2026 abgeschlossen. Die Nachfrage wird sich erst zeigen, eine Schätzung ist zu diesem Zeitpunkt schwer möglich. Die Versicherungsdeckung ist im privaten Bereich nur für Haushalt und Eigenheim vorgesehen. Kraftfahrzeuge werden nicht umfasst.

VersicherungsJournal: Gibt es regionale Unterschiede bzw. Ausschlusskriterien? Die Karpatho-Ukraine beispielsweise ist deutlich weniger betroffen als Donezk.

Riener: Wie man sieht, werden auch westliche Regionen der Ukraine oft stark betroffen. Aber die Frequenz ist im Westen der Ukraine sicher niedriger. Es gibt konkrete Limitierungen, abhängig von der Entfernung der Frontlinie und besonders betroffenen Regionen. In diesen Regionen wird kein Versicherungsschutz angeboten.

VersicherungsJournal: Sehen Sie das Beispiel Schule machen? Die Schäden in der Ukraine gehen in die Milliarden, und Kriege gibt es weltweit genügend.

Riener: Diese Lösung, die wir jetzt für die Ukraine anbieten, soll keine Standarddeckung werden. Sie erfolgt aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit für die Resilienz des Landes, unserer Verantwortung für dieses Land und dem großen Respekt für den unglaublichen Einsatz unserer Mitarbeitenden in der Ukraine, in der wir seit mehr als 20 Jahren tätig sind. Wir hoffen auf baldigen Frieden und darauf uns aktiv am Wiederaufbau der Ukraine beteiligen zu können.

VersicherungsJournal: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte

Tibor Pásztory

Schlagwörter zu diesem Artikel
Rückversicherung
 
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
18.12.2025 – Das VersicherungsJournal sprach mit dem Profi-Aktuar und Unternehmensberater Christoph Krischanitz über die vielfältigen Tätigkeitsfelder von Aktuaren, über Berufschancen, Herausforderungen durch KI sowie die noch zu geringe Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. (Bild: Krischanitz) mehr ...
 
21.11.2025 – Die Uniqa Group hat Bilanz über die ersten drei Quartale gezogen und berichtet von Prämienzuwächsen in allen drei Sparten und Verbesserungen in zentralen Kennzahlen. (Bild: Uniqa) mehr ...