6.2.2026 – Die Effizienz steigern und Kosten senken, Entscheidungsprozesse und Kundenerfahrung verbessern – das sind laut einer Eiopa-Umfrage treibende Gründe, warum Versicherer generative KI einsetzen. Hürden werden vor allem in den Bereichen Datenschutz und -sicherheit, regulatorische Compliance und Fachkräftemangel gesehen. Mittelfristig wird der Blick bereits auf „agentische KI“ gerichtet.

Generative KI ist bei Europas Versicherungsunternehmen mittlerweile weitverbreitet, ihre Anwendung nimmt rasch zu – dieses Bild ergibt sich nach Angaben der EU-Versicherungsaufsicht Eiopa aus einer 2025 durchgeführten Befragung.
Dem nun veröffentlichten Bericht dazu liegen Antworten von 347 Unternehmen aus 25 Ländern zugrunde. Die gesammelten Daten können laut Eiopa als repräsentativ für den derzeitigen Stand der Implementation generativer KI im europäischen Versicherungssektor angesehen werden.
Fast zwei Drittel der Unternehmen nutzen die Technologie bereits aktiv. Die meisten befänden sich aber noch im „Proof of Concept“-Stadium, also noch in einer vergleichsweise frühen Phase.
Dies weise auf eine bedachte, kontrollierte Einführung ebenso hin wie auf ein bedeutendes Wachstumspotenzial für die Zukunft.
Vordringliche Motivatoren für die Nutzung generativer KI-Werkzeuge sind laut Umfrage Effizienzsteigerung und Kostensenkung.
Mehr als die Hälfte gab aber auch an, dass der Ausbau der „Kundenerfahrung“ und die Verbesserung von Entscheidungsprozessen wesentliche Treiber seien.
Obwohl viele Versicherer die dadurch erwarteten Produktivitätssteigerungen nutzen wollen, gehen sie vorsichtig vor, indem sie den Fokus zunächst auf die internen Prozesse und eine starke menschliche Aufsicht beibehalten, liest die Behörde aus den Antworten ab.
Zwei Drittel (64 Prozent) der gemeldeten Anwendungsfälle zielen auf Back-End-Produktivitätswerkzeuge. Gemeint sind damit zum Beispiel die Extraktion von Daten aus Rechnungen, Audioaufnahmen oder medizinischen Berichten, die Erzeugung von Inhalten für E-Mails, Verträge oder Marketingmaterialien oder auch der Einsatz von Underwriting-Assistenten.
Gut ein Drittel (36 Prozent) meldete die Entwicklung von Generative-KI-Anwendungen für den Kundenkontakt, beispielsweise Voice- oder Chatbots.
Die meisten solcher Anwendungen befänden sich im „Proof of Concept“-Stadium. Von Anwendungen, die auf autonomer „agentischer KI“ – das ist KI, die bestimmte Aufgaben bewältigen kann – basieren, werden auf diesem Gebiet mittelfristig aber größere Auswirkungen erwartet, berichtet die Behörde.
Hürden und Hindernisse beim Implementieren und Managen von KI-Systemen haben der Umfrage zufolge vor allem mit Bedenken in Bezug auf Datenschutz und -sicherheit zu tun, mit allfälligen Problemen hinsichtlich regulatorischer Compliance und schließlich mit einem Mangel an Fachkräften.
Das meistgenannte Risiko im Zusammenhang mit generativer KI waren Halluzinationen und ungenaue Ergebnisse. Danach folgen Risiken in puncto Cybersicherheit und Datenschutz.
Aus den Antworten sei auch hervorgegangen, dass Versicherer stark auf Drittanbieter setzen. Manche äußerten in dieser Hinsicht insofern Bedenken, als es auch bei Drittanbietern zu Cyberattacken kommen könne.
Dem Drittanbieter-Management und einer entsprechenden vertraglichen Ausgestaltung wird deshalb zunehmende Bedeutung beigemessen.
Aus Sicht der Eiopa unterstreichen diese Risiken und ihre potenziellen Auswirkungen die Notwendigkeit, dass Versicherer Governance und Risikomanagement den „KI-spezifischen Herausforderungen“ anpassen.
Die Hälfte (49 Prozent) der Umfrageteilnehmer habe bereits Richtlinien eigens für künstliche Intelligenz entwickelt. 2023 hatte dies erst ein Viertel getan.
Für Eiopa-Vorsitzende Petra Hielkema zeigen die Umfrageergebnisse, dass in der Branche sorgfältig geprüft worden sei, wie generative KI dem Geschäft und den Kunden zugutekommen könnte.
Die Tatsache, dass KI-Anwendungen Schritt für Schritt, mit einem wachsamen menschlichen Auge darauf und mit einer Aktualisierung des Risikomanagement-Rahmens ausgebaut werden, sei für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz wichtig. „Das ist, was wir künftig sehen wollen.“
Bericht „Generative AI Market Survey: Outlook, Use Cases and Risk Management“ (PDF, 1,3 MB, Eiopa)
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