WERBUNG

Aufsicht benennt Risiken für Finanz- und Versicherungssektor

28.9.2026 – Das EU-Finanzsystem präsentiere sich weiterhin widerstandsfähig, sagen die europäischen Aufsichtsbehörden Eiopa, Eba und Esma. Sie sehen aber auch mehrere Risiken. Bedenken werfen vor allem Abhängigkeiten von Anbietern und Infrastruktur außerhalb des EWR auf. Diese könnten die Auswirkungen geopolitischer Schocks und betrieblicher Störungen verstärken. Hinzu kommen Cyberrisiken, nicht zuletzt vor dem Hintergrund zunehmender KI-Fähigkeiten und aufgrund sich schnell entwickelnden Quantencomputings. Auch der Bereich Private Credit wird angesprochen.

WERBUNG
Risk Update (Cover; Quelle: Eiopa)
Risk Update (Cover; Quelle: Eiopa)

Die drei europäischen Finanzmarkt-Aufsichtsbehörden – Versicherungsaufsicht (Eiopa), Bankenaufsicht (Eba) und Wertpapier- und Marktaufsicht (Esma) – haben ihr „Risk Update“ für den Herbst 2026 veröffentlicht.

Die gute Nachricht darin: Das EU-Finanzsystem zeigt sich weiterhin widerstandsfähig. Die Fundamentaldaten des Versicherungs- und Rentensektors werden als stark eingestuft, die Kapitalpositionen als gefestigt.

Die weniger guten Nachrichten

Die Schattenseite: Es bestehen weiterhin Risiken. Stichworte sind: geopolitische Entwicklung, Energiepreise und eine rapide technische Entwicklung einschließlich KI; Cyber- und Betrugsrisiken seien „Hauptursachen“ der Bedenken.

Häufigere Naturkatastrophen könnten die Deckungslücken vergrößern, was die Notwendigkeit entsprechender Anpassungsmaßnahmen untermauere.

Diversifizierung: Vorteile, aber auch Abhängigkeiten

Betont werden auch die Abhängigkeiten des EU-Finanzsektors von Nicht-EU-Ländern. So seien Investmentfonds erheblich in den USA engagiert; Anleihenfonds seien indes geographisch stärker diversifiziert.

Was den Versicherungssektor betrifft, wird die internationale Verflechtung als begrenzt eingestuft. Sie werde vorrangig durch Assets und Rückversicherung bestimmt.

Diese Verflechtung bringe einerseits Diversifizierungsvorteile, vergrößere andererseits aber wiederum Abhängigkeiten in Bezug auf Markt-, Kontrahenten- und Konzentrationsrisiken.

Damit wachse auch die Verletzlichkeit gegenüber geopolitischen Ereignissen außerhalb der EU. Auch Cyberrisiken würden dadurch erhöht, gerade aufgrund der Abhängigkeiten von IT-Anbietern, die außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) angesiedelt sind.

Cyber betrifft Versicherer doppelt

Im Versicherungssektor spielt das Thema Cyber neben der eigenen Betroffenheit zusätzlich noch in der Zeichnung von Cyberversicherungen eine Rolle.

So könnte, vor dem Hintergrund großer geopolitischer Instabilität, eine erhöhte Frequenz und Schwere orchestrierter, KI-gestützter Cyberangriffe die Schadenrisiken für Versicherer steigen lassen – wenngleich Ausschlussklauseln die Auswirkungen auf den Sektor begrenzen könnten.

Chancen und Risiken durch Quantencomputing

Als eine sich ebenfalls schnell weiterentwickelnde Technologie wird Quantencomputing angeschnitten. Sie könnte den Finanzsektor in Schlüsselbereichen verändern – durch Prozessoptimierung, Betrugs- und Compliance-Überwachung und im Pricing.

Wie bei KI gilt aber auch hier: Einem potenziell erheblichen Nutzen steht ein potenziell erhebliches Risikopotenzial gegenüber, wenn Verschlüsselungssysteme untergraben werden, die für Kommunikation, Transaktionen und Blockchains im Einsatz sind.

Die Risiken könnten sich zudem schneller realisieren als kommerziell nutzbare Anwendungen.

Private Credit

Weiters erwähnt wird, dass der Bereich Private Credit weltweit zunehmend als Finanzierungsquelle wachse. Der EU-Anteil daran sei zwar relativ klein und das Gesamtengagement von Banken und Versicherungen begrenzt.

Nichtsdestoweniger gebe es hier Schwachstellen, die mit wachsender Komplexität, eingeschränkter Transparenz und Verflechtungen innerhalb des Finanzsystems zu tun hätten. Dazu gehörten beispielsweise ungenaue Kreditbewertungen, ein hohes Kreditrisiko und Datenlücken.

Risiken proaktiv überwachen und managen

Fazit: Eiopa, Eba und Esma rufen die Aufsichtsbehörden und Marktteilnehmer dazu auf, ihre Widerstandsfähigkeit durch Krisenvorsorge, Abwicklungskoordinierung sowie eine effektivere und anpassungsfähigere Regulierung zu stärken.

Auch sollen die angesprochenen Risiken „proaktiv“ überwacht und gemanagt werden.

Link

Schlagwörter zu diesem Artikel
Cyberversicherung · Darlehen · Investmentfonds · Rückversicherung · Unwetter · Versicherungsaufsicht
 
WERBUNG
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
22.4.2026 – Eiopa und ESM haben ein Expertenpapier veröffentlicht, das einen Mechanismus erörtert, der die Lücke im Versicherungsschutz gegen Naturkatastrophenschäden verringern soll. Die Autoren sehen in dem Modell mehrere Vorteile. (Bild: Hans/Pixabay) mehr ...
 
21.12.2021 – Im zweiten Teil des Jahresrückblicks haben wir Ereignisse aus den Monaten Mai bis August im Überblick zusammengestellt. mehr ...