7.7.2026 – Im ersten Quartal hatte der Kreditversicherer global mit einem Anstieg der Anzahl an Unternehmensinsolvenzen um 2,8 Prozent gerechnet. Nun geht Coface von plus 6 Prozent aus. Bestimmende Faktoren: Geopolitische Spannungen, einhergehend mit steigenden Beschaffungskosten, volatilen Energiepreisen und wachsender Unsicherheit. Der Umfang staatlicher Hilfsprogramme sei allerdings kleiner als während der Corona-Pandemie.

„Trotz sinkender Leitzinsen und genereller geldpolitischer Entspannung in den letzten zwei Jahren wird für 2026 weiterhin ein weltweiter Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 2,8 Prozent erwartet – ein im Vergleich zu den deutlich höheren Zuwachsraten der Vorjahre moderater Anstieg.“
So lautete die Vorhersage, die Kreditversicherer Coface vor rund fünf Monaten für das laufende Jahr abgegeben hatte (VJ 9.2.2026).
Allerdings stellte Coface vergangene Woche in einer Mitteilung fest, dass sich das konjunkturelle Umfeld „in den vergangenen Monaten spürbar abgeschwächt“ habe, da sich die Folgen der jüngsten geopolitischen Spannungen „immer stärker in der realen Wirtschaft bemerkbar machen“.
„Der Anstieg der weltweiten Insolvenzen um 12 Prozent zu Beginn des Jahres (im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr; Anm.), darunter ein Plus von 22 Prozent in Nordamerika, verdeutlicht das Ausmaß des aktuellen Schocks“, sagt Markus Kuger, Head of Economic Research DACH bei Coface.
„Steigende Beschaffungskosten, volatile Energiepreise und wachsende Unsicherheit setzen Unternehmen spürbar unter Druck und dämpfen Investitionsentscheidungen“, fügt Dagmar Koch, Country Managerin von Coface Österreich, hinzu.

Vor diesem Hintergrund schraubt Coface ihre Insolvenzprognose für 2026 deutlich nach oben: Für das Gesamtjahr 2026 wird nun global eine Zunahme der Anzahl an Unternehmensinsolvenzen um 6 Prozent erwartet.
„Kräftige Zuwächse“ werden in den USA (+8 Prozent), Frankreich (+8 Prozent) und Japan (+7 Prozent) erwartet. In den Niederlanden wird mit einem Plus von rund 5 Prozent gerechnet.
Moderater dürfte der Anstieg in Spanien, Italien und dem Vereinigten Königreich ausfallen, wo Coface Zuwächse zwischen 2 und 3 Prozent prognostiziert.
Die Finanzierungsbedingungen bleiben ein zentraler Belastungsfaktor, hält Coface fest. Zwar habe sich das globale Zinsniveau zuletzt schrittweise verringert. Nach deutlichen Anstiegen 2022 und 2023 bleibe es jedoch hoch und Kredite entsprechend teuer.
„Die aktuelle Situation trifft Unternehmen in einer Phase, in der viele mit historisch hoher Verschuldung konfrontiert sind. Entsprechend sensibel reagieren sie auf zusätzliche Belastungen wie die jüngste Zinserhöhung der EZB – die erste seit fast drei Jahren“, so Coface.
In diesem Umfeld, fährt Coface fort, bleiben die unternehmerischen Spielräume zur Refinanzierung begrenzt – und damit auch die Fähigkeit, zusätzliche wirtschaftliche Schocks abzufedern.
Der Druck bleibe vor allem in konjunktursensiblen und stark finanzierungsabhängigen Branchen hoch. „Besonders betroffen sind weiterhin Bau, Chemie und Textil, die aufgrund ihrer hohen Abhängigkeit von Produktionskosten und Nachfrage besonders anfällig sind.“
Zwar würden in einigen Ländern erneut Hilfsprogramme aufgelegt, ihr Umfang sei jedoch deutlich geringer als etwa jene zu Zeiten der Corona-Pandemie.
In großen europäischen Volkswirtschaften wie Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich habe die staatliche Unterstützung 2022 und 2023 noch rund 2 bis 4 Prozent des BIP betragen.
„Aktuelle Maßnahmen fallen dagegen erheblich kleiner aus – das umfangreichste Programm findet sich derzeit in Spanien mit rund 0,3 Prozent des BIP“, berichtet Coface.
Zudem seien die jüngsten Programme stärker zielgerichtet. „Sie entlasten zwar besonders betroffene Unternehmen und Branchen, eine breite stabilisierende Wirkung wie in früheren Krisen ist jedoch nicht zu erwarten.“
Entsprechend bleibe der Spielraum der Wirtschaftspolitik begrenzt, einen weiteren Anstieg der Insolvenzen wirksam abzufedern.
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