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Coface: Weitreichende Effekte agentenbasierter KI

21.4.2026 – In einer neuen Analyse ortet der Kreditversicherer einen Wandel in der Art der Automatisierung: Der Fokus verlege sich zunehmen auf datenbasierte, analytische und informationsintensive Arbeitsinhalte. Im Übrigen könnte die anlaufende neue KI-Generation auch Auswirkungen auf das Steuersystem, das Bildungssystem und im Hinblick auf geopolitische und operative Abhängigkeiten haben.

KI-Agent (Symbolbild; Bild: Yasa Design Studio/Unsplash)
Bild: Yasa Design Studio/Unsplash

Künstliche Intelligenz könnte die Struktur moderner Arbeitsmärkte grundlegend verändern – das hält Coface fest. In einer Zusammen mit dem Observatoire des Emplois Menacés et Émergents (OEM) durchgeführten Analyse hat der Kreditversicherer die Frage untersucht, wie sie das tun könnte.

Dafür wurden die Automatisierbarkeit von 923 Berufen in fast 30 Ländern untersucht. Diese Berufe seien hierfür „bis auf ihre elementaren Einzelaufgaben heruntergebrochen“ worden: Jede Aufgabe wird in einzelne Schritte zerlegt und auf ihre technologische Automatisierbarkeit hin eingeschätzt.

Es gehe dabei „um die technische Machbarkeit von Automatisierung und nicht darum, wie viele Arbeitsplätze am Ende tatsächlich wegfallen oder neu entstehen“, betont Aurélien Duthoit, Volkswirt bei Coface und Co-Autor der Studie.

Dem nun veröffentlichten Papier zufolge geht die nächste Entwicklungsstufe der KI über bisherige Automatisierungsmuster – die vor allem körperliche Tätigkeiten und später repetitive Routinearbeiten im Büro betrafen – hinaus.

Datenbasierte, analytische und informationsintensive Arbeiten

Aurélien Duthoit (Bild: Coface)
Aurélien Duthoit, Volkswirt
bei Coface und Co-Autor
der Analyse (Bild: Coface)

Der Fokus „agentenbasierter KI“ richte sich zunehmend auf datenbasierte, analytische und informationsintensive Arbeitsinhalte. Sie beschränke sich nicht mehr darauf, nur einzelne Arbeitsschritte unterstützen. Vielmehr könne sie ganze Abläufe eigenständig ausführen.

„In dieser zweiten Phase der KI-Entwicklung weist rund jeder achte Beruf einen Automatisierbarkeitsanteil von über 30 Prozent auf. Das ist ein Hinweis darauf, dass diese Bereiche vor einer tiefgreifenden Transformation stehen“, sagt Duthoit.

Veränderungen sehen die Coface-Experten speziell auf Berufsfelder wie das Ingenieurwesen, IT, Recht, Finanzen, Verwaltung sowie kreative und analytische Tätigkeiten zukommen.

„Deutlich robuster“ bleiben laut der Analyse hingegen Tätigkeiten, die stark an physische Präsenz, manuelle Fähigkeiten oder echte zwischenmenschliche Interaktion gebunden sind: Handwerk, Pflege, Gastronomie oder persönliche Dienstleistungen gälten als vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber KI-gestützter Automatisierung.

Nicht jedes Land in gleiche Maß betroffen

Der KI-Effekt ist aber offenbar von Land zu Land unterschiedlich: In der Türkei etwa liege der Anteil potenziell automatisierbarer Arbeitsinhalte bei rund 12 Prozent, im Vereinigten Königreich gehe er jedoch gegen die 20 Prozent.

„Diese Unterschiede hängen mit der Wirtschaftsstruktur der jeweiligen Länder zusammen – sie bestimmt, welche Arten von Tätigkeiten besonders häufig vorkommen und damit auch, wie groß der Anteil der grundsätzlich automatisierbaren Aufgaben ist“, erklärt Coface.

Gedämpfte Auswirkungen auf Österreich

Österreich liege mit 16 Prozent über dem Durchschnitt und bilde gemeinsam mit Tschechien, der Slowakei (ebenfalls 16 Prozent), Slowenien, Ungarn, Kroatien (15 Prozent) und Deutschland ein industriell geprägtes Cluster.

„Der Anteil an Tätigkeiten im Ingenieurwesen, in der industriellen Fertigung, bei technischen Dienstleistungen, in Forschung, öffentlicher Verwaltung und im Bildungssektor prägt einen Arbeitsmarkt mit vielen informationsintensiven und koordinierenden Aufgaben – genau jene Tätigkeiten, die besonders für die KI-Unterstützung oder -Automatisierung geeignet sind“, so Coface.

Zugleich sei der Anteil stark dienstleistungsorientierter, managementlastiger oder IT-intensiver Funktionen geringer als in Ländern wie den Niederlanden oder Großbritannien. Österreich zähle daher nicht zu den Arbeitsmärkten Europas, die am stärksten von KI-getriebenen Veränderungen betroffen sind.

Folgen für Steuersysteme und soziale Sicherheit

Dagmar Koch (Bild: Sabine Hauswirth)
Dagmar Koch,
Country-Managerin
von Coface in Österreich
(Bild: Sabine Hauswirth)

Wie die Autoren unterstreichen, reichen die Auswirkungen KI-gestützter Automatisierung über die Arbeitswelt hinaus.

Wenn nämlich immer mehr Wertschöpfung durch KI-basierte Prozesse und die dahinterstehenden Investitionen erzeugt werden statt durch menschliche Arbeitsleistung, stünden Staaten mit stark arbeitsbezogenen Steuersystemen vor einer doppelten Herausforderung.

Denn einerseits würden die Einnahmen sinken, andererseits die Ausgaben für soziale Sicherung, Qualifizierung und berufliche Anschlussperspektiven steigen.

Kompetenzen, die wichtiger werden könnten

Auch Folgen für das Bildungssystem werden ausgemacht. Duthoit: „Wenn klassische akademische Laufbahnen nicht mehr automatisch berufliche Sicherheit bieten, gewinnen Kompetenzen wie kritisches Urteilsvermögen, Anpassungsfähigkeit und der Umgang mit komplexen KI-Systemen an Bedeutung.“

Hochschulen und berufliche Bildungseinrichtungen werden ihre Programme stärker auf Fähigkeiten ausrichten müssen, die KI sinnvoll ergänzen, statt mit ihr zu konkurrieren, meint Duthoit.

KI verschiebt den Arbeitsmarkt von Quantität zu Qualität, kommentiert Dagmar Koch, Country-Managerin Coface Österreich. „Unternehmen sichern mit einem klugen Einsatz von KI ihre Wettbewerbsfähigkeit, entlasten ihre Talente und werten ihre Kompetenzen auf.“

Sie sieht KI als Antwort auf den Fachkräftemangel. „Sie stärkt die Produktivität der Mitarbeiter und macht Wachstum besser planbar.“

Neue geopolitische und operative Abhängigkeiten

Problematisch wiederum ist ein anderer Bereich, den Coface anspricht: neue geopolitische und operative Abhängigkeiten.

Schlüsselressourcen wie Halbleiter, Rechenzentren oder die Modelle selbst seien global stark konzentriert. Dies erhöhe die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks wie Exportbeschränkungen, regulatorischen Veränderungen und globalen Lieferkettenrisiken.

Während KI also das Potenzial habe, „erhebliche Produktivitätsgewinne zu erzeugen“, entstünden gleichzeitig „neue strukturelle Verwundbarkeiten“.

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