2.9.2026 – Eine aktuelle Studie von EY ortet bei heimischen Führungskräften eine Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Gefahr von Cyberangriffen und den tatsächlichen Vorfällen. Die österreichischen Unternehmen fühlen sich gut vorbereitet und haben ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Über eine Versicherung verfügt aber nicht einmal die Hälfte.

Die Prüfungs- und Beratungsorganisation EY Österreich hat für ihre „Cybersecurity Studie 2026“ im April dieses Jahres insgesamt 200 Geschäftsführer sowie Führungskräfte aus den Bereichen IT-Sicherheit und Datenschutz von heimischen Unternehmen ab 20 Mitarbeitern befragt.
Mit 36 Prozent hat mehr als jedes dritte Unternehmen demnach bereits konkrete Hinweise auf Angriffe auf Netzwerke und Daten; im Vorjahr waren es erst 32 Prozent. Deutlich höher ist dieser Anteil mit fast zwei Dritteln bei jenen, die Künstliche Intelligenz in der Cyber-Security einsetzen.
Dass die Bedeutung von Cyberangriffen in Zukunft steigen werde, erwarten darüber hinaus mehr als vier von fünf der Befragten. Gleichzeitig sei der Anteil jener Studienteilnehmer, die das Risiko eines Cyberangriffs als hoch einschätzen, seit dem Vorjahr aber von 47 auf nun 38 Prozent gesunken.
Dass die wahrgenommene Gefahr sinkt, während die tatsächlichen Vorfälle steigen, sei ein gefährlicher Trugschluss, betont Gottfried Tonweber, Partner und Leiter Cybersecurity bei EY Österreich.
Bedeutendstes Einfallstor für Kriminelle sei Phishing, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Dahinter folgen Malware-Angriffe, die zuletzt stark zugenommen haben. Dies zeige, dass Angreifer ihre Methoden konsequent weiterentwickeln, so Tonweber.
Fast die Hälfte der Cybervorfälle betrifft laut Studie Kommunikations- und Kollaborationsservices, an zweiter Stelle liegen Daten- und Speicherservices, Rang drei bei den Angriffen nehmen Arbeitsplatz- und Enduser-Services ein. Rückläufig entwickelt haben sich Erpressungsversuche.
Am meisten befürchten die befragten Entscheider in österreichischen Unternehmen Datenverluste und Datenschutzverletzungen, gefolgt von Betriebsunterbrechungen und finanziellen Verlusten.
Ein klar positiver Trend zeige sich bei den Sicherheitsmaßnahmen der Unternehmen, so EY. Nahezu alle befragten Firmen würden Firewalls und Antivirus-Software einsetzen, regelmäßige Sicherheitsupdates und mehrstufige Authentifizierung gebe es bei rund neun von zehn.
Auch organisatorisch werde aufgerüstet, so EY: Jeweils achtzig oder knapp mehr Prozent der Unternehmen würden auf Mitarbeiter-Sensibilisierung, Awareness-Maßnahmen und die Modernisierung der IT-Infrastruktur setzen.
Zu den wirksamsten Maßnahmen würden Schwachstellen-Tests zählen, betont EY. Nur 15 Prozent würden diese nicht durchführen, vor einem Jahr waren es noch doppelt so viele. Sieben von zehn Unternehmen würden sich dabei regelmäßig, knapp drei von zehn sogar zumindest halbjährlich testen lassen.
Für den Wiederaufbau der Infrastruktur nach einem Angriff haben 84 Prozent der Firmen entweder bereits Pläne oder arbeiten gerade daran. Und 87 Prozent fühlen sich sehr gut oder gut auf Bedrohungen vorbereitet. Über eine Versicherung gegen digitale Risiken verfügen aber unverändert nur 45 Prozent.
Bereits jedes fünfte befragte Unternehmen nützt für die Cyberabwehr Künstliche Intelligenz (KI), wesentlich mehr als im Vorjahr, als es erst 15 Prozent waren. Bei größeren Unternehmen und solchen mit hohem Risikobewusstsein sei der Anteil noch deutlich höher, so EY.
Vorrangiges Ziel der Unternehmen sei dabei eine Verbesserung der Bedrohungserkennung. Mit 21 Prozent der Befragten würden heuer dreimal so viele in KI einen großen Beitrag zur Cybersicherheit sehen als vor einem Jahr. Eine Kostenreduktion durch KI spiele dagegen kaum eine Rolle.
Dass sich der Wert von KI in so kurzer Zeit verdreifacht hat, zeige, wie schnell sich diese Technologien in der Praxis bewähren, erläutert Bernhard Zacherl, Director im Bereich Cybersecurity bei EY Österreich.
Allerdings plane die Hälfte der Unternehmen keinen Einsatz von KI. Hauptgründe seien Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Ethik. Hohe Kosten und der Mangel an qualifiziertem Personal würden im Zeitvergleich dagegen an Bedeutung verlieren.
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