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Gesundheit: KI wird wichtiger, Kritik an öffentlichem System

1.10.2026 – Die gute Nachricht sei, dass sich 60 Prozent der Österreicher fit fühlen, der Gesundheitszustand hat sich aber im letzten Jahr eher verschlechtert. Kritik gibt es am öffentlichen Gesundheitssystem, das Interesse an privater Krankenversicherung steigt. Und Künstliche Intelligenz sei im Gesundheitskontext in der Bevölkerung angekommen, so die Ergebnisse der Gesundheitsstudie.

Gesundheitsstudie der Wiener Städtischen Versicherung (Cover)
Gesundheitsstudie der Wiener Städtischen Versicherung (Cover)

Bereits zum siebenten Mal hat das Gallup Institut im Auftrag der Wiener Städtischen Versicherung eine Gesundheitsstudie erstellt. Dafür wurden in einem Onlinepanel zwischen Ende Juli und Mitte August 1.000 Personen zwischen 16 und 70 Jahren befragt.

Die Ergebnisse seien repräsentativ für die webaktive Bevölkerung Österreichs, so Gabriele Reithner, Senior Studienleiterin im Gallup Institut, bei der Präsentation. Darüber hinaus sei das Studiendesign identisch mit dem des Vorjahres, um Vergleiche anstellen zu können.

Mit vier Themen befasste sich die Befragung in diesem Jahr: dem Gesundheitszustand und Gesundheitssystem in Österreich, dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Gesundheitsfragen, der Gendermedizin und sexuellen Gesundheit sowie dem Bereich Gesundheitsvorsorge.

Gesundheitszustand ist nicht besser geworden

Manuel Schalk, für Lebens- und Krankenversicherung verantwortlicher Vorstandsdirektor der Städtischen, ging einleitend auf den aktuellen Gesundheitszustand der Österreicher ein. Es sei eine „ganz gute Nachricht“, dass sich jeweils knapp mehr als 60 Prozent körperlich und mental fit fühlen.

Dass jüngere Menschen in besserer Verfassung seien als ältere, komme wenig überraschend, so Schalk. Insgesamt gebe es aber ein deutliches Stadt-/Land-Gefälle, Städter hätten diese Frage positiver beantwortet.

In den letzten zwölf Monaten habe sich der körperliche Zustand der Befragten eher verschlechtert: 32 Prozent der Frauen, aber nur 21 Prozent der Männer berichten von einer Verschlechterung ihres körperlichen Gesundheitszustands.

Insgesamt sagen 27 Prozent, der körperliche Zustand sei schlechter und 21 Prozent, er sei besser geworden. Was den mentalen Gesundheitszustand betrifft, halten sich Verbesserung und Verschlechterung mit je 19 Prozent die Waage.

Öffentliches System in der Kritik

Sehr deutlich abgenommen habe seit 2022 die Zufriedenheit mit dem öffentlichen Gesundheitssystem, so Schalk. Nur noch 47 Prozent der Befragten sind sehr oder eher zufrieden, vier Jahre zuvor waren es noch 56 Prozent gewesen. Sehr zufrieden sind 17 Prozent der Städter, aber nur fünf Prozent der ländlichen Bevölkerung.

Gründe dafür seien lange Wartezeiten bei Fachärzten, Leistungseinschränkungen des öffentlichen Systems sowie „zu wenig Zeit der Ärzte für Patienten“. Unzufrieden sind die Studienteilnehmer mit der Verfügbarkeit von Kassenärzten: 55 Prozent sagen, es gebe zu wenige Allgemeinmediziner, bei Fachärzten sind es sogar 71 Prozent.

Das öffentliche Gesundheitssystem sei komplex, zunehmend würden Spitalsambulanzen aufgesucht, was relativ teuer sei, so Schalk. Diskutiert werde deshalb derzeit eine Ambulanzgebühr für nicht dringende Fälle. Die Studie hat auch dazu die Einstellung der Österreicher untersucht.

58 Prozent der Befragten sprechen sich jedenfalls oder eher für eine Einführung der Ambulanzgebühr aus, unter den über 56-Jährigen seien es sogar zwei Drittel. Die „Schmerzgrenze“ für eine Akzeptanz liege bei einem Betrag von rund 20 Euro.

Künstliche Intelligenz stark genutzt

Künstliche Intelligenz im Gesundheitskontext sei in der Bevölkerung angekommen, so Schalk. 59 Prozent der Studienteilnehmer hätten KI schon mindestens einmal genutzt, um sich über gesundheitliche Themen zu informieren. Ein Viertel lehne KI aber ganz stark ab.

Unter den unter 35-Jährigen hätten bereits drei Viertel KI im Zusammenhang mit Gesundheit genutzt. Frauen würden KI etwas häufiger einsetzen, keinen signifikanten Unterschied gebe es bei der Bildung der Befragten, geringe Unterschiede zwischen Städtern und Landbewohnern.

Häufigste Gründe für den Einsatz von KI seien das Checken von Krankheitssymptomen, die Erklärung von Befunden sowie Medikation und Nebenwirkungen von Medikamenten. 38 Prozent erklären, dass KI einen echten Mehrwert biete, wobei im subjektiven Empfinden angenehme Emotionen überwiegen.

31 Prozent jener, die KI schon genutzt haben, geben sich mit der Empfehlung zufrieden und verzichten auf einen Arztbesuch; dabei sind Frauen skeptischer als Männer. Das Vertrauen in Menschen ist aber stark: 82 Prozent (Vorjahr: 85 Prozent) vertrauen Ärzten mehr als der KI.

Gesundheit: geschlechtsspezifische Unterschiede

Das Thema „Gendermedizin“ sei mittlerweile deutlich in der Bevölkerung verankert, erläutert Reithner. 87 Prozent nehmen Unterschiede bei Krankheitsbildern wahr, insbesondere bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychischen Erkrankungen und Schmerzen.

Wichtig sei für die Studienteilnehmer, dass bei Diagnose und Behandlung geschlechtsspezifische Unterschiede berücksichtigt werden: Drei Viertel sprechen sich für einen Fokus auf dieses Thema aus.

Im Bereich der sexuellen Gesundheit ortet die Studie ein deutliches Defizit bei Informationsbedarf und -stand, so Reithner. Zwar würden 55 Prozent glauben, gut informiert zu sein, aber nur 27 Prozent halten die Wissensvermittlung über sexuell übertragbare Krankheiten für ausreichend.

Männer und Jüngere halten die Wissensvermittlung eher für ausreichend, die urbane Bevölkerung zeige sich besser informiert. Dass 16 Prozent keine Angabe zur Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten machen, bedeute, dass diese Menschen nichts wissen, so Reithner.

Private Gesundheitsvorsorge wichtig

Mit 52 Prozent hält knapp mehr als die Hälfte eine private Krankenversicherung für sehr oder eher wichtig, betont Schalk. Junge Menschen schätzen die Bedeutung noch höher ein: Für 33 Prozent der unter 35-Jährigen ist sie sehr wichtig (Vorjahr: 25 Prozent), für weitere 27 Prozent eher wichtig.

Die Gründe dafür seien bekannt und dieselben, die bei der öffentlichen Versorgung kritisiert werden: Wartezeiten, wenig Zeit der Kassenärzte für Patienten und Leistungseinschränkungen.

Unter den Studienteilnehmern verfügten 321 über eine private Krankenversicherung. Dabei besitzen 60 Prozent der privat Krankenversicherten eine Privatarzt- und 50 Prozent eine Sonderklassenversicherung.

Interesse an einer privaten Krankenversicherung gebe es aber auch unter jenen, die bisher keine abgeschlossen haben: Ein Drittel von ihnen könne sich grundsätzlich eine private Gesundheitsvorsorge vorstellen, 30 Prozent vertrauen dagegen auf das öffentliche System.

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