17.3.2026 – Alte Tugenden, vor allem aber das Leistungsprinzip schätzt Bestseller-Autorin Nena Brockhaus an der älteren Generation; mit den Grabenkämpfen müsse man aufhören. Und Strategieberater Philipp Maderthaner betont, dass Junge wie Ältere Stärken haben, die der jeweils andere dringend braucht.

Der 23. Informationstag der Wiener Versicherungsmakler in der Vorwoche stand unter dem Motto „Cross-Generation Empowerment – Erfahrung trifft neue Perspektiven“. Ziel sei es, Energie zu bündeln, um für die Zukunft fit zu sein, betonte Moderatorin Sabine Kronberger einleitend.
Jungen Menschen wolle er mitgeben, dass langanhaltender Erfolg in jungen Jahren ein schlechter Lehrmeister ist, sagte Helmut Mojescick, Obmann der Fachgruppe Wien der Versicherungsmakler. Wie für Flugzeuge sei auch im Leben Widerstand nötig, um fliegen zu können.
Für Fachverbandsobmann Christoph Berghammer ist es gerade in Zeiten von KI und Digitalisierung wichtig, dass die Erfahrung, die ältere Kollegen mitbringen, Empathie und persönliche Auseinandersetzung mit den Kunden nicht verloren gehen. Man müsse einen Weg finden, die Moderne mit Tradition und Erfahrung zu mixen.
Das Bewahren und Wertschätzen der Erfahrung stand auch im Zentrum der Keynote von Bestsellerautorin und Journalistin Nena Brockhaus, vor allem jener „der männlich dominierten Führungsgenerationen, die Jahrzehnte an Wissen, Entscheidungsstärke und wirtschaftlichem Geschick mitbringen“.
Um das zu untermauern, hat sie für ihr Buch „Alte weise Männer“ gemeinsam mit Ko-Autorin Franca Lehfeldt Gespräche mit Vertretern dieser Generationen geführt – unter anderem mit dem ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und dem Schauspieler Mario Adorf.
Ihr gehe es dabei um eine „Liebeserklärung an das Leistungsprinzip“ und die Abschaffung des gesellschaftlichen Schubladendenkens. Die Welt werde vom Schubladendenken nicht besser, so Brockhaus: „Wir müssen alle voneinander lernen wollen“ und mit den Grabenkämpfen aufhören.
Erfahrung sei kein Auslaufmodell, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Nur dort, wo Jung und Alt zusammenkommen, entstehe echter Fortschritt: Ältere sollten nicht loslassen, sondern weitergeben, Jüngere müssten verstehen, dass Erfahrung kein Bremsklotz, sondern ein „Navigationssystem“ ist.
Es gebe zwar „selbstverständlich“ unter der GenZ junge Menschen, die von der Vier-Tage-Woche träumen und die Life-Work-Balance favorisieren. Aber auch unter den „Boomern“ gebe es diejenigen, für die der Donnerstag bereits der kleine Freitag ist, relativiert Brockhaus die Generationenunterschiede.
Zu den Lehren aus ihren Gesprächen mit den „alten Männern“ zähle es, dass für diese das Leistungsprinzip besonders wichtig war: „Alle Männer schwärmten von dem großen Leistungsglück in ihrem Leben“.
Heute seien Tugenden wie Leistungswille, Opferbereitschaft, Pflichterfüllung, Disziplin, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit auf dem Rückzug. Der Wohlstand sei in Gefahr, weil man sich in Identitätsdebatten verliere. Nötig sei eine Rückkehr zum gesunden Menschenverstand, so Brockhaus abschließend.
Doch auch etablierte Führungspersönlichkeiten können von der neuen Generation lernen, ist der Strategieberater und Podcaster Philipp Maderthaner überzeugt, wie er im Gespräch mit dem Chef des Online-Portals Leadersnet, Paul Leitenmüller, erläuterte.
Führung werde zu oft mystifiziert, sagt Maderthaner. In Wirklichkeit sei sie das „Gegenteil von selber machen“, Aufgabe von Führungskräften sei es, einen guten Rahmen zu schaffen, damit Menschen herausragende Ergebnisse produzieren können.
Dieser Rahmen müsse auf Wertschätzung gründen, um den Generationenmix strategisch nützen zu können. Die einen würden mehr Technologieverständnis mitbringen, die anderen mehr Menschenverständnis. Beides werde man brauchen in der Zeit, in die wir gehen.
Für Führungskräfte seien neue Qualitäten nötig: Es gehe um Antizipation, die Fähigkeit, darauf zu schauen, was auf uns zukommt, um Aufrichtigkeit, sich selbst Dinge einzugestehen, und um Anpassung: Wer das nicht hat, „fliegt in den nächsten Jahren vom Platz“, so Maderthaner.
Es werde sehr viel über Generationen gesprochen, doch „weniger Themen als wir glauben, sind Generationenthemen, als in Wahrheit Werte- und Haltungsthemen, die man in unterschiedlichen Generationen findet.
Es sei Aufgabe der Leistungsträger, alle daran zu erinnern, dass aller Fortschritt auf dieser Welt auf Menschen mit Ambitionen baue, auf Menschen, die nicht zufrieden waren mit dem Status quo. Und heute sei es so einfach wie noch nie, erfolgreich zu sein, wenn man Ambition hat.
Junge Menschen würden nicht einen Job haben wollen, sondern wachsen, dazugehören und an etwas mitwirken wollen. Für etablierte Leader bedeute dies weniger Anspruchsdenken, mehr Angebot an Entwicklung und eine Kultur der Begeisterung, Überzeugung und klarer Worte.
Unternehmen müssten aufhören, „Generation Z“ wie ein HR-Thema zu behandeln, sondern ein Wettbewerbsthema daraus machen. Die Jungen seien nicht zu wild, die Etablierten nicht zu starr. Beide hätten Stärken, die der jeweils andere dringend braucht.
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