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Prävention und die Rolle von Versicherern und Beratern

28.10.2026 – Prävention spielt für Versicherer eine große Rolle; vor allem geht es um die Sichtbarmachung der Risiken. Doch Kunden müssen auch „mitspielen“, Eigenverantwortung wird wichtiger. Auch für Berater gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung.

Podiumsdiskussion zum Thema Prävention. Bild: Tobias Singer
Podiumsdiskussion zum Thema Prävention (v.l.n.r.): Angela Kallhoff (Universität Wien), Wolfgang Petschko (Donau), Christoph Zauner (Generali), Moderatorin Katja Meier-Pesti, Makler Markus Monschein, Catarina Bogensberger-Held (Uniqa) und Roman Weber (HDI). Bild: Tobias Singer

Eine von Katja Meier-Pesti, Gründerin und Inhaberin des Marktforschungsinstituts Wissma, moderierte Podiumsdiskussion beschäftigte sich im Rahmen der Verleihung des Versicherungsawards Austria (VAA) in der Vorwoche mit dem Thema „Prävention“.

Donau-Vorstandsdirektor Wolfgang Petschko betonte, dass Versicherungen einen sehr guten Zugang zum Thema Risiko haben; dabei sei Prävention mitzudenken. Versicherern komme deshalb bei diesem Thema eine wesentliche Rolle zu.

Petschko verweist in diesem Zusammenhang auf die interaktive Gefahrenkarte für Naturereignisse Hora: diese sei von Versicherern etabliert worden. Petschko: „Wir haben uns in der Rolle gesehen, das sichtbar zu machen.“

Von Daten können alle profitieren

Auch Catarina Bogensperger-Held, bei der Uniqa zuständig für Product Experience und KI im Vertrieb, sieht die Verantwortung der Versicherer in der Sichtbarmachung von Risiken.

Gerade im Vertrieb habe man viele „Touchpoints“, die es zu nutzen gelte. Wichtig sei eine „Repositionierung der Beratung“: Man müsse hier mehr Zeit für Prävention schaffen, ohne allerdings weniger Umsatz zu generieren.

Jeder Versicherer besitze eine „Unmenge von Schadendaten“, auch von Menschen, bei denen Schäden dank Prävention geringer waren. Dies könnten mit Hilfe von KI ausgewertet werden, so Versicherungsmakler Markus Monschein: „Diese Daten könnten wir im Vertrieb gut brauchen.“

Petschko erläuterte dazu, dass Hora regelmäßig rekalibriert wird: Die Versicherer würden Daten einliefern, „damit alle davon profitieren können“. Meier-Pesti betonte allerdings, dass Daten immer historisch sind und man nicht in die Zukunft schauen könne.

Kunden müssen mitspielen

Prävention sei für Versicherer „ganz wesentlich“, sagte Christoph Zauner, Leiter Retail & Corporate der Generali: „Die beste Versicherung kann einen Schaden an Gesundheit oder Leben nicht gutmachen.“ Die konkrete Umsetzung von Risikomaßnahmen liege aber in der Verantwortung des Kunden.

Roman Weber, Vertriebsleiter bei HDI Österreich, sieht das ähnlich: Die Verantwortung des Versicherers ende, wenn der Kunde nicht mitspielt.

Zumutbare Regelungen, wie das Abdrehen von Wasser bei Abwesenheit würden aber der ganzen Versicherungswirtschaft helfen, so Petschko.

Meier-Pesti betont, dass Aufklärung wichtig ist, um das Risikobewusstsein zu stärken: Viele Menschen hätten eine unrealistische Risikoeinschätzung für sich selbst, auch, um sich nicht damit beschäftigen zu müssen.

Eigenverantwortung nötig

„Wir haben noch nicht realisiert, was gerade passiert“, so Angela Kallhoff, Professorin für Ethik an der Universität Wien, angesichts der „unsagbar teuren“ Schäden durch den Klimawandel und des schwer zu kalkulierenden Risikos.

Aus Sicht der Ethik gehe es darum, wie man sich insgesamt vorbereiten kann, wo die Verantwortung des Einzelnen liegt und wo sich Privatmarkt und Staat treffen. Für sie sei die Solidargemeinschaft wichtig: „Was ist der Pfad, den wir alle gehen müssen? Und was kann die Versicherungswirtschaft dabei beitragen?“

Zauner sieht hier „sehr viel Work in Progress“: „Viele müssen etwas gemeinsam tun, die Versicherungswirtschaft kann das allein nicht stemmen.“ Doch die Diskussion über eine Pflichtversicherung komme immer nur nach Naturkatastrophen und verschwinde dann bald wieder.

Man müsse Eigenverantwortung neu denken, meinte Kallhoff: Es gehe darum, welche Verpflichtung Menschen gegenüber sich selbst haben, und um einen klaren Shift hin zu Gesundheit, Achtsamkeit und zur Frage, wie man leben will.

Die Rolle der Berater

Man müsse mit Kunden sehr konsequent über das Thema Prävention sprechen, unterstrich Bogensperger-Held. Im Beratungsalltag habe das Thema noch nicht die Qualität, die es haben sollte: „Wir müssen darüber reden, wozu etwas gut ist.“

Softfacts seien in der Beratung wichtiger als Rabatte, betonte Monschein. Der Anreiz eines Rabatts sei zu gering, wichtiger sei es, Kunden klarzumachen, dass sie sich extrem viel Aufwand sparen können. Und auch für Zauner sollte es beim Anreiz nicht um monetäre Dinge gehen, sondern um die eigene Person.

Makler schließlich sollten auch daran denken, dass es einen Verlust an Zeit und Geld für sie bedeutet, wenn sie mit Schadenfällen blockiert sind, die mit Beratung und Prävention vielleicht nicht eingetreten wären, ergänzte Bogensperger-Held.

Prävention gewinnt an Bedeutung

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darüber, dass Prävention in Zukunft noch wichtiger werden wird. Österreich verfüge über „wahnsinnig starke Vertriebsnetze“ und ein hohes Standing der Berater; dies gelte es zu nutzen, so Bogensperger-Held.

Monschein erwartet, dass Versicherer in den nächsten Jahren stärker auf das Erkennen und Vermeiden von Risiken setzen werden. Das auf Deutsch zu übersetzen, werde Aufgabe des Vertriebs sein.

Die Risikowahrnehmung des Einzelnen werde sich aber nicht so schnell ändern, „wie wir hoffen“, fürchtet Petschko. An Bedeutung gewinnen werden aber Services wie Assistance, ist er überzeugt.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesundheitsreform · Marktforschung · Unwetter · Versicherungsmakler
 
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