5.2.2026 – Nicht ganz Nestroy, aber so ähnlich: Versicherungsmathematiker Christoph Krischanitz hat sich mit zwei künstlichen Intelligenzen über Regulierung und Überregulierung ausgetauscht. Hier präsentiert er das Resultat.

Heute ist es passiert, ich hab’s getan. Ich habe KI verwendet. In meinem Artikel. Das wollte ich eigentlich tunlichst vermeiden.
Aber dann habe ich mich mit meinen LLMs so über Regulierung und Überregulierung im Finanzbereich unterhalten, Themen, über die ein Aktuar halt gerne spricht und zuhause niemanden findet, den das interessiert, und dann ist Folgendes passiert.
Nachdem wir (die KI und ich) uns einig waren, dass die Überregulierung primär durch das Verhalten der Finanzinstitute selbst ausgelöst wird, wollte ich einen Zeitsprung wagen und habe vorsichtig gefragt, wie denn der alte österreichische Dramatiker Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy mit diesem Thema umgegangen wäre.
Und hier ist das – aus zwei LLMs zusammengestrickte und durch Menschengeist (Human in the Loop) geglättete – Resultat. Erstaunlich, wie viel Weisheit da drinsteckt. Und wie böse.
Viel Vergnügen!
Manager: Grüß Gott, gnä’ Frau Aufsicht, i kumm mit an Anliegen, des is so dick wie a Solvenzbericht.
FMA-Mitarbeiterin: Grüß Sie, Herr Direktor. Bei Ihnen is ja alles dick: die Berichte, die Prämien und manchmal die Nerven.
Manager: Nerven? I hab nur Vorschriften. Die wachsen bei uns schneller als die Schadenquote im Hageljahr.
FMA-Mitarbeiterin: Vorschriften wachsen, weil bei Ihnen das Risikog’spür oft schrumpft. Naturgleichgewicht, wissen S’.
Manager: I bitt’ Sie! Mir san a modernes Haus. Mir ham a ganzes System fürs Aufpassen – nur so dezent, dass ma’s nur merkt, wenn’s fehlt.
FMA-Mitarbeiterin: Genau des is das Problem: Was keiner sieht, is meistens das Teuerste.
Manager: Aber des nennt man Effizienz! Wenn i an Kontrolleur auf jeden Kontrolleur setz, dann kontrolliert am End’ nur mehr die Kontrolle.
FMA-Mitarbeiterin: Und wenn keiner kontrolliert, kontrolliert die Realität. Die is a grausliche Prüferin.
Manager: Da samma schon beim Thema: Überregulierung! Sie regulieren, bis ma nimmer weiß, ob ma versichert oder verzettelt.
FMA-Mitarbeiterin: Und Sie wirtschaften, bis ma nimmer weiß, ob ma kalkuliert oder kasperlert.
Manager: Kasperlert? I bitt’ Sie! Unser Haus is seriös, wir ham a Governance!
FMA-Mitarbeiterin: Ja. A Governance wie a Hausmeister: immer da – nur nie im richtigen Stockwerk.
Manager: I will doch nur Gewinn maximieren. Wettbewerb! Das is a Naturgesetz.
FMA-Mitarbeiterin: Naturgesetz? Bei Ihnen is die Natur meist nur dann im Spiel, wenn’s an Großschaden gibt.
Manager: Unser ROE muss rauf, sonst san die Aktionäre beleidigt wie a Primadonna.
FMA-Mitarbeiterin: ROE rauf geht leicht: Puffer runter, Risiko rauf – des is a Treppe ohne Geländer.
Manager: Sie sagen’s so, als tät i absichtlich stolpern.
FMA-Mitarbeiterin: Absichtlich net. Aber Ihr Bonus stolpert nie – der landet immer auf den Füßen.
Manager: Jetzt seien S’ net boshaft! I hab an Vertrag auf drei Jahr’, i muss liefern.
FMA-Mitarbeiterin: Drei Jahr’? In der Versicherung is das a Wimpernschlag. Ihre Schäden blinzeln erst nach fünf.
Manager: Na also! Dann bin i ja eh weg, bis’s wehtut!
FMA-Mitarbeiterin: Eben. Drum bleib i da.
Manager: Und drum schreiben S’ Regeln, Regeln, Regeln – i brauch bald a eigene Direktion nur fürs Abhakerln!
FMA-Mitarbeiterin: Abhakerln is billig. Teuer is das Abholen, wenn ma Sie aus dem Schlamassel ziehen soll.
Manager: I hab nie um Rettung gebeten!
FMA-Mitarbeiterin: Sie net. Aber Ihr Geschäftsmodell flüstert’s in jeder Krise: „Wenn i fall’, fallt ihr mit.“
Manager: Also is Überregulierung eigentlich … eine Überreaktion auf unser Übertreiben?
FMA-Mitarbeiterin: Schau’n S’, jetzt reden S’ fast wie a Aufsicht.
Manager: I erschreck mi vor mir selber.
FMA-Mitarbeiterin: Keine Angst. Das geht vorbei — spätestens beim nächsten Bonusgespräch.
Manager: Na gut. I nehm’ die Vorschriften. Aber i verlang an Trostpreis.
FMA-Mitarbeiterin: Den kriegen S’: eine ruhige Nacht. Solange Sie sich dran halten.
Christoph Krischanitz & KI
Der Autor ist Versicherungsmathematiker (profi-aktuar.at) und verfügt über langjährige Erfahrung in der aktuariellen Beratung. Krischanitz war von 2004 bis 2019 Vorsitzender des Mathematisch-Statistischen Komitees im Versicherungsverband (VVO), von 2008 bis 2014 Präsident der Aktuarvereinigung Österreichs (AVÖ). Derzeit ist er unter anderem Chairman der Arbeitsgruppe Non-Life Insurance in der Actuarial Association of Europe (AAE).
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