10.4.2026 – Für 65 Prozent der Befragten in einer Studie der Wiener Städtischen Versicherung hat das Auto einen hohen Stellenwert – das gilt auch für die unter-35-Jährigen, für die die Bedeutung des Autos zuletzt rasant zugenommen hat. Deutlich gesunken ist die Attraktivität von E-Autos, was auf das Ende der Befreiung von der motorbezogenen Versicherungssteuer zurückzuführen sein dürfte. Weiteres Aufholpotenzial ortet die Studie bei der Kaskoversicherung.

Bereits zum fünften Mal hat die Wiener Städtische Versicherung vom Gallup Institut ihre „Kfz-Umfrage“ durchführen lassen. Die Ergebnisse wurden gestern von Vorstandsdirektorin Doris Wendler und Studienautorin Gabriele Reithner präsentiert.
Für die Studie wurden zwischen 18. Februar und 3. März 1.000 Personen im Alter zwischen 17 und 70 Jahren in Computer Assisted Web Interviews befragt; dies gewährleiste die Vergleichbarkeit mit den Vorjahren, so Reithner; die Ergebnisse seien für die österreichische Bevölkerung repräsentativ.
Betont wurde allerdings von Wendler und Reithner, dass die Umfrage vor Beginn des Iran-Krieges stattgefunden hat. „Alle Themen“ stünden daher nicht unter dem Einfluss dieses Krieges, so Reithner. Und Wendler ergänzt, dass das „Interesse in Richtung E-Mobilität“ dadurch möglicherweise gestiegen sei.
Die Bedeutung, die die Befragten dem Auto zuweisen, ist gegenüber den Vorjahren weiter gestiegen. So erklären nun 65 Prozent der Befragten, dass das Auto für sie einen sehr hohen oder hohen Stellenwert hat. 2023 waren das erst 61 Prozent, seither ist der Wert kontinuierlich gestiegen.
Auch bei den 17- bis 30-Jährigen beträgt dieser Wert nun 65 Prozent. Wendler betont die „Veränderung nach oben“, noch im Vorjahr lag er in dieser Altersgruppe bei 61 Prozent. Große Bedeutung kommt auch dem Wohnort zu; im ländlichen Bereich sei das Auto für 74 Prozent „nicht wegzudenken“.
Der Stellenwert des Autos ist aber nicht nur auf einem hohen Niveau, wie Wendler erläutert; er hat für 30 Prozent der Befragten in den letzten Jahren zugenommen (Vorjahr: für 25 Prozent). Weiterhin nur für 15 Prozent ist das Auto weniger wichtig geworden.
„Rasant verändert“ hat sich diese Einstellung bei den unter-30-Jährigen, so Wendler: Hatten im Vorjahr noch 42 Prozent erklärt, der Stellenwert des Autos sei zuletzt für sie gestiegen, so sind es in der aktuellen Umfrage 48 Prozent
Darüber hinaus liefert die Studie auch Details zum Nutzungsverhalten. 66 Prozent der Studienteilnehmer geben an, über ein eigenes Auto zu verfügen, weitere 26 Prozent nutzen Fahrzeuge von Familienmitgliedern oder Freunden. Zwölf Prozent nutzen kein Auto und haben dies auch nicht vor.
79 Prozent der Befragten, die ein Auto nutzen, verwenden dies täglich oder zumindest mehrmals die Woche.83 Prozent dieser Nutzer fahren maximal 50 Kilometer pro Tag – was Reichweitenargumente gegen E-Mobilität relativiere, so Wendler.
Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselantrieb seien weiterhin sehr beliebt: Nur acht Prozent der Befragten fahren ein Auto mit Hybridmotor, sechs eines mit elektrischem Antrieb.
Innerhalb der nächsten zwölf Monate wollen 26 Prozent ein Auto kaufen, 52 Prozent bevorzugen beim Autokauf einen Neuwagen und 74 Prozent wollen ein Auto bar zahlen. Wichtigste Kriterien beim Autokauf sind laut Studie Kaufpreis und laufende Kosten, Antriebsart und Verbrauch.
„Verbrenner“ liegen bei der Frage, welche Antriebsart für das nächste Auto in Frage kommt, weiterhin an der Spitze: 34 Prozent wollen einen Benziner kaufen, 28 Prozent ein Fahrzeug mit Dieselmotor, wobei Frauen eher zum Benzin-Fahrzeug tendieren (36 Prozent).
Rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge sind weiterhin ein Minderheitenprogramm: Nur 14 Prozent wollen ein E-Auto kaufen. Im Vorjahr waren dies mit 37 Prozent noch deutlich mehr. Leicht gestiegen ist das Interesse an Kfz mit Hybridantrieb: von 22 Prozent im Vorjahr auf nun 25 Prozent.
Zu den Gründen für das abnehmende Interesse an der E-Mobilität zähle der Wegfall der Befreiung von der motorbezogenen Versicherungssteuer für E-Autos mit April des Vorjahres, so Wendler.
Auch die teurere Anschaffung – knapp drei Viertel der Befragten seien bereit, maximal 30.000 Euro für ein E-Auto auszugeben – spiele eine Rolle. Ebenfalls würden fehlende Flexibilität und Hindernisse für die Spontaneität ins Treffen geführt. Wendler: „Bei der Tankstelle geht es schneller.“
Eine leicht steigende Tendenz ortet die Studie bei der Vollkaskoversicherung. 42 Prozent der Befragten gaben an, über eine Vollkaskoversicherung für ihr Auto zu verfügen – derselbe Wert wie in der Studie 2025, aber deutlich mehr als 2024 – damals waren es nur 38 Prozent.
Angestiegen ist der Anteil jener, die eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen haben: von 24 Prozent im Vorjahr auf 28 Prozent. Ausschließlich eine Haftpflichtversicherung für ihr Auto haben demnach 30 Prozent (Vorjahr: 33 Prozent).
Treiber für die Kaskoversicherung seien der zuletzt wieder steigende Anteil der Neuwagen und damit die Zahl jüngerer Autos sowie die steigenden Fahrzeugwerte und Reparaturkosten, so Wendler. Gerade vor diesem Hintergrund gebe es aber noch „deutliches Potenzial“ für die Kaskoversicherung.
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