25.9.2026 – Der Hitze im Sommer 2026 hat in Europa schätzungsweise 113 Milliarden Euro an wirtschaftlichen Verlusten gebracht, besagt eine Allianz-Trade-Analyse. In einem Szenario, das von einem intensiven El-Niño-Geschehen ausgeht, könnte Österreichs Wirtschaftsleistung 2027 um rund 1,5 Milliarden US-Dollar geringer ausfallen und die Teuerung angeheizt werden.
„Klimarisiken werden immer mehr zu Wirtschaftsrisiken“, sagt Michael Kolb, Vorstand des Kreditversicherers Acredia.
„Für Unternehmen geht es dabei längst nicht nur um unmittelbare Schäden durch Extremwetter. Hitze kann Produktivität beeinträchtigen, Lieferketten belasten und Kosten erhöhen.“ Umso wichtiger sei es, solche Entwicklungen frühzeitig in unternehmerische Entscheidungen einzubeziehen.
Anlass für Kolbs Äußerungen ist die Veröffentlichung des „Allianz Climate Economics Report 2026“ von Mutterunternehmen Allianz Trade.
Die Analyse schätzt die mit den Hitzewellen des Sommers 2026 verbundenen wirtschaftlichen Einbußen in 30 europäischen Ländern auf insgesamt rund 113 Milliarden Euro. Dies entspreche etwa 0,46 Prozent ihrer für 2026 erwarteten gemeinsamen Wirtschaftsleistung.
Wie stark Hitze wirtschaftlich wirkt, hänge nicht allein von der Temperatur ab, auch Luftfeuchtigkeit und Bevölkerungsverteilung spielen eine wesentliche Rolle, wird betont.
Den Angaben zufolge entfallen denn auch rund zwei Drittel der Belastungen auf die großen Staaten Italien (27,8 Milliarden Euro), Deutschland (25 Milliarden Euro) und Frankreich (20,1 Milliarden Euro).
Wie unterschiedlich sich Klimarisiken entwickeln, zeige der neue „Allianz Climate Risk Tracker“, der zwei Dimensionen betrachtet:
Im internationalen Vergleich befinde sich Österreich bei beiden Indikatoren derzeit im vergleichsweise niedrigeren Risikobereich.
„Entwarnung“ will die Acredia deshalb aber nicht geben: „Die Werte bilden die relative Situation eines Landes zu einem bestimmten Zeitpunkt ab – und gerade Extremwetterrisiken können sich von Jahr zu Jahr deutlich verändern.“
Der Blick auf Extremwetterereignisse zeige, wie wenig aussagekräftig ein einzelnes Jahr sein kann. So sei für Österreich 2025 in der zugrunde liegenden Datenbank kein entsprechendes Ereignis erfasst. Seit 2000 betrage der langfristige Durchschnitt jedoch rund 3,2 Ereignisse pro Jahr.
„Die damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden entsprechen im langjährigen Mittel rund 0,2 Prozent des österreichischen BIP“, fügt die Acredia hinzu.
Insbesondere die Entwicklung 2027 könnte für Österreich „wirtschaftlich relevant“ werden, fährt der Kreditversicherer fort.
Denn ein für den Bericht untersuchtes El-Niño-Szenario – in dem es, einer Prognose folgend, nächstes Jahr zu einem Wärmeschub kommen könnte – lässt erwarten, dass die heimische Wirtschaftsleistung 2027 um 0,3 Prozent geringer ausfallen könnte.
Besonders deutlich zeige sich der mögliche Effekt bei den Preisen. Die Modellrechnung ergebe für Österreich einen zusätzlichen Effekt von 0,84 Prozentpunkten auf die Gesamtinflation und von 1,34 Prozentpunkten auf die Nahrungsmittelinflation.
Grundlage der Berechnungen ist eine Analyse für 144 Volkswirtschaften, die sich an den Temperaturwirkungen des starken El Niño 2023/24 orientiert. Berücksichtigt werden ausschließlich temperaturbedingte Effekte, nicht hingegen weitere wirtschaftliche Folgen von Extremereignissen wie Dürren, Überschwemmungen oder Waldbränden.
In Summe komme es in diesem möglichen Szenario für die untersuchten Volkswirtschaften 2027 netto zu einem Verlust von 451 Milliarden US-Dollar, was aktuell umgerechnet 396,7 Milliarden Euro entspricht.
Für die EU-Staaten ist von rund 24 Milliarden US-Dollar (21,1 Milliarden Euro) bzw. 0,09 Prozent des BIP die Rede.
Die internationale Analyse zeige, dass Länder mit etablierten Frühwarnsystemen, Risikokarten, vorausschauender Finanzierung und klar geregelten Zuständigkeiten besser auf Klimarisiken vorbereitet sind, stellt die Acredia fest.
Damit gewinne auch für Unternehmen die vorausschauende Vorsorge an Bedeutung: „Risiken frühzeitig zu erkennen und Abhängigkeiten transparent zu machen, kann dazu beitragen, wirtschaftliche Folgen zu begrenzen.“
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