30.10.2026 – Anfang Oktober wurde die Verschmelzung von Merkur Versicherung und Merkur Lebensversicherung abgeschlossen. Im Vordergrund sei die Positionierung als Personenversicherer gestanden, der die unterschiedlichen Lebensphasen der Kunden abdeckt, erklärt CFO Andres Gaugg im Gespräch mit dem VersicherungsJournal. Für den Konzern zeigen sich bereits erste positive Auswirkungen.

Im April 2022 hatte die Merkur Versicherung die damalige Nürnberger Versicherung AG Österreich übernommen (VJ 5.4.2022) und im Herbst desselben Jahres in Merkur Lebensversicherung AG umfirmiert.
Anfang Oktober wurde diese nun mit der Merkur Versicherung AG verschmolzen (VJ 7.10.2026).
Nachdem die Prämienentwicklung in der Lebensversicherung längere Zeit negativ war, konnten nach Angaben des Versicherungsverbandes (VVO) 2024 und 2025 wieder leichte Zuwächse erzielt werden.
Die damals getroffene Entscheidung zur Akquisition habe sich damit pro futuro als richtig erwiesen, betont Merkur-CFO Andreas Gaugg im Exklusivinterview mit dem VersicherungsJournal.
Regulatorik und Niedrigzinsumfeld hatten die Lebensversicherungssparte lange Zeit belastet; dies habe auch die Nürnberger gespürt, so Gaugg: Sie sei zu wenig stark kapitalisiert gewesen, um „stand alone“ weiterzumachen.
Das stark veränderte Zinsumfeld habe dann 2022 aber auch der Merkur in die Hände gespielt. Bereits vor der nun erfolgten Verschmelzung sei es gelungen, das Solvenzkapital der Merkur Lebensversicherung zu stärken. Und Merkur Leben habe auch über die Jahre hinweg Gewinne geschrieben.
Im Vordergrund der Akquisition sei für die Merkur aber die Ausweitung des Portfolios gestanden, die Nürnberger sei in der fondsgebundenen Lebensversicherung und der Berufsunfähigkeitsversicherung stark gewesen. Merkur sei dadurch in beiden Kernsparten zu einem relevanten Marktplayer gewachsen.
Für Merkur sei es wichtig gewesen, sich als Personenversicherer zu positionieren, der die verschiedenen Lebensphasen der Kunden abdeckt – dafür genüge die Krankenversicherung nicht. Nötig sei ein Paket, das die Gesellschaft in Österreich brauchen wird, weil der Staat nicht alles leisten werde können.
Lebens-, Berufsunfähigkeits- und Krankenversicherung versichern ein Risiko, betont Gaugg. Sie ergänzten einander sehr gut, alle Sparten würden profitieren. Merkur habe einen Vorsprung bei der Krankenversicherung gehabt, bei der Lebensversicherung nütze man das vorhandene Vertriebsnetzwerk.
Nun gehe es aber auch um Effizienzsteigerungen. Man arbeite an der Überarbeitung und Harmonisierung der Prozesse und habe in Salzburg personell aufgestockt: Investitionen werden für den Konzern wirtschaftlich profitabler, als es ohne Merkur Leben möglich gewesen wäre.
„Erste Früchte ernten wir schon“, sagt Gaugg. In den ersten acht Monaten sei die Merkur sowohl bei der Kranken- als auch der Lebensversicherung über dem Markt gewachsen. Man werde heuer als Konzern bei den abgegrenzten Prämien auf mehr als eine Milliarde Euro kommen.
Dazu komme, dass Merkur Leben bei den regulatorischen Kosten allein „schwer überlebensfähig“ gewesen wäre; die regulatorische Zweigleisigkeit sei durch die Verschmelzung nun weg – allein das stelle Synergien dar.
Insgesamt hätten Erwerb und Verschmelzung die Merkur Leben „sehr stark stabilisiert“, so Gaugg. Die Kapitalisierung des Konzerns sei dadurch nicht beeinträchtigt worden und zukünftig seien positive Auswirkungen zu erwarten: Der Konzern sei stark kapitalisiert und verfüge über eine sehr starke Solvenzquote.
Zwar hätten Merkur und Merkur Leben dasselbe SAP-System genutzt, dennoch habe es sich um ein großes Projekt gehandelt. Lob kommt dabei für die Mitarbeiter: „Die Mannschaft hat einen ausgezeichneten Job gemacht.“ Zukünftig seien aber noch weitere Harmonisierungsschritte geplant.
Aktuell beschäftigt man sich damit, wo man effizienter und schneller werden kann, es geht um Technologien und Investitionen. Gaugg: „Es gibt genug Aufgaben für die nächsten Jahre.“
Und im Bereich der Regulatorik stelle gute Governance einen wesentlichen Erfolgsfaktor dar. „Je besser wir mit der Regulatorik umgehen, desto weniger hindert sie uns daran, unserem Geschäft nachzugehen,“ sagt der Merkur-CFO.
Ziel für die nächsten Jahre sei es, sich im Hauptmarkt Österreich stärker zu positionieren. In den bestehenden Märkten strebe man organisches Wachstum an. Akquisitionen seien nicht geplant, Möglichkeiten, die sich in bestehenden Märkten ergeben, würde man sich aber „ansehen“.
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