Umfrage: „Gender Gap“ auch beim Interesse an Finanzen

25.2.2026 – In einer Umfrage der Erste Bank gaben 62 Prozent der Männer an, größeres Interesse an Sparen, Anlegen, Altersvorsorge und Geldpolitik zu haben, bei den Frauen nur deutlich geringere 42 Prozent. Unterschiede zeigen sich im Anlageverhalten vor allem bei Investments in Wertpapiere. Sicherheitsdenken ist stark ausgeprägt, das geht aber auch zu Lasten der Rendite, gibt CEO Gerda Holzinger-Burgstaller zu bedenken. Was die Umfrage auch zeigt: In der „Vertrauensfrage“ liegen menschliche Berater deutlich vor der KI.

Seniorin, Euro-Banknoten (Bild: Alexa/Pixabay)
Bild: Alexa/Pixabay

Frauen sind in der Pension doppelt so häufig von Armut bedroht wie Männer. Bei den Frauen liege der Anteil bei 32 Prozent, bei den Männern bei 16 Prozent, sagte Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO der Erste Bank Oesterreich, am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Weltfrauentags am 8. März.

Einen der ausschlaggebenden Gründe für die finanzielle Lücke zwischen den Geschlechtern – „Gender Pay Gap“ und „Gender Pension Gap“ – sieht sie darin, dass auch in puncto Finanzinteresse ein „Gender Gap“ bestehe.

Das zeige eine neue Umfrage von Erste Bank und Sparkassen und Integral, für die im Jänner österreichweit 812 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 75 Jahren befragte wurden.

Von den Frauen interessieren sich demnach nur 42 Prozent größeres Interesse an Finanzthemen wie Sparen, Anlegen, Altersvorsorge oder Geldpolitik. Bei den Männern ist man zwar auch weit von 100 Prozent entfernt, dennoch ist der Anteil hier mit 62 Prozent deutlich höher.

Nur eine Minderheit attestiert sich gutes Finanzwissen

Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO Erste Bank Oesterreich (Bild: Erste Bank/Marlena König)
Präsentierte am Dienstag in der Wiener Firmenzentrale Ergebnisse
einer Erste-Umfrage: Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO Erste Bank
Oesterreich (Bild: Erste Bank/Marlena König)

Die persönliche Einstufung des eigenen Finanzwissens unterscheidet sich laut den Umfragedaten ebenfalls sichtlich: Nur 19 Prozent der Frauen stufen ihres als hoch oder sehr hoch ein, bei den Männern tun dies 37 Prozent.

Inwieweit diese Werte das tatsächliche Wissensniveau widerspiegeln, ist eine andere Frage, wie die Erste-Vorstandschefin anmerkte. Diese wurde in der Umfrage aber nicht mit Testfragen vertieft.

Wichtig wäre ihr jedenfalls das Wissen um den Zinseszins: Die Zeit spiele für Investitionen. Je früher man beginne, umso besser. Und wer über einen langen Zeithorizont investiere, könne auch ein gewisses Risiko in Kauf nehmen, um eine höhere Rendite zu erzielen.

Oft werde angenommen, dass zum Investieren viel Geld gebraucht wird. „Das ist ein Irrglaube“, hielt Holzinger-Burgstaller entgegen. Auch schon mit kleineren Beträgen lasse sich Ertrag erwirtschaften.

Unterschiedliche Präferenzen vor allem bei Wertpapieren sichtbar

Was die für Sparen, Anlegen und Vorsorgen genutzten Vehikel angeht, sticht in der Umfrage vor allem ein Unterschied zwischen den Geschlechtern hervor: Wertpapiere werden weit häufiger von Männern genutzt (49 Prozent) als von Frauen (29 Prozent).

Dieser Abstand habe ich damit noch vergrößert, so Holzinger-Burgstaller. Bei den anderen Vehikeln zeige sich wenig Bewegung.

Ebenfalls ins Auge sticht der Unterschied bei der Anlage in „Kryptowährungen“, die nur von 5, aber von 16 Prozent der Männer genutzt werden.

Im Übrigen ist bei den meisten Instrumenten der Anteil der männlichen Nutzer größer als jener der weiblichen. Nur beim klassischen Sparkonto ist der Anteil der Frauen mit 69 Prozent knapp größer – ausgerechnet bei jenem Produkt, bei dem es, wie Holzinger-Burgstaller hinzufügte, mit der Erhaltung der Kaufkraft schwierig wird.

Aktuell genutzte Spar- und Anlageformen (Grafik: Lampert)

Sicherheitsdenken „zu Lasten der Rendite“

Das dürfte mit einem Sicherheitsdenken bei Frauen zu tun haben, das Risikoüberlegungen gerne überlagert, jedoch „zu Lasten der Rendite“ gehe.

  • In der Aussage „Sicherheit ist mir wichtiger, auch wenn ich auf hohe Renditen verzichten muss“ fanden sich 62 Prozent der Frauen am ehesten wieder, bei den Männern 40 Prozent.
  • Mit der Aussage „Ich achte auf ein ausgewogenes Verhältnis von Risiko und Rendite“ konnten sich 53 Prozent der Männer am ehesten identifizieren, aber nur 37 Prozent der Frauen.
  • „Ich setzte auf hohe Renditechancen, bei denen ich mehr Risiko akzeptiere“: Dieser Aussage schlossen sich bei beiden Geschlechtern nur wenige bevorzugt an: 8 Prozent der Männer, 3 Prozent der Frauen.

Wo Befragte Hürden für Wertpapier-Investments sehen

Was hält nun konkret von Investments in Wertpapiere ab? Drei Faktoren stehen nach Aussagen der Befragten im Vordergrund:

  • „zu wenig Wissen“ (Frauen: 35 Prozent; Männer: 28 Prozent),
  • „zu wenig Geld (F: 35 Prozent; M: 39 Prozent),
  • „zu hohes Risiko“ (bei beiden Geschlechtern 30 Prozent),

16 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer gaben an, schlicht kein Interesse daran zu haben. Auf eine geringere Anzahl an Nennungen kamen Angst vor Betrug, „zu wenig Zeit“ und andere Gründe.

Holzinger-Burgstaller kommentierte diese Ergebnisse damit, dass Investieren nicht automatisch gleichbedeutend mit hohem Risiko sei.

Vertrauen: Berater schlägt KI

Zum Thema Vertrauen hat die Erste Bank auch wissen wollen, ob der persönliche Berater oder die künstliche Intelligenz die Nase vorn hat.

Das Ergebnis ist eindeutig: Drei Viertel haben mehr Vertrauen in die „menschliche“ Beratung als in die künstliche. Bei den Frauen ist der Anteil mit 78 Prozent noch etwas höher als bei den Männern (72 Prozent).

Weniger als ein Fünftel setzt in beide gleich viel Vertrauen. ein einstelliger Prozentanteil zieht die KI vor – und zwar doppelt so viele Männer wie Frauen.

Vertrauen in Bankberater und in KI bei Vorschlägen zur Geldanlage (Grafik: Lampert)

Großteil steht KI-Vorschlägen zu Geldanlage reserviert gegenüber

Passend zu den gerade erwähnten Einstellungen der Befragten, ist auch das Vertrauen in KI-generierte Inhalte im Finanzbereich eher überschaubar.

59 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer haben eher oder gar kein Vertrauen in KI-Vorschläge zur Geldanlage. Jeweils ein Drittel bezeichnet es als „mittel“. Nur 17 Prozent der Männer und noch weniger Frauen (9 Prozent) vertrauen eher oder sehr in die KI.

Die Reserviertheit gegenüber der KI passt auch zu den Antworten auf die Frage, ob größeres Interesse an „neuen Technologien wie KI“ im Finanzbereich besteht. Dies bejahen 40 Prozent der Männer und nur 26 Prozent der Frauen.

Nichtsdestoweniger: In anderen Ländern sei eine größere Offenheit gegenüber KI festzustellen, sagte Holzinger-Burgstaller und vermutet deshalb auch für Österreich: „Das Bild wird sich ändern.“

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Altersvorsorge · Marktforschung · Pension
 
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